poly… was?

auch aus aktuellem anlass mal ein kleiner anfang der kritik einer „kritik“, die ursprünglich als beitrag zu nun tabula rasa geplant war. fragmentarisch beginnend, dann abdriftend in wirre reflexion und steganografisches wunschdenken …
und (-)handeln.

wie es sich für die meisten feindbilder gehört, denen mensch bessere (gesellschaftliche/persönliche) konzepte gegenüberstellen will, werden diese meist zu einseitig und flach dargestellt. sicherlich sehr eingefärbt von meinen persönlichen erfahrungen stösst mir so immer wieder dieser zunehmende „rzb-hass“ auf. ja, fast hass, denn aus der generierung dieses feinbildes hauptsächlich in der postpubertären sog. linken szene, zu der auch ich mich wohl zählen muss, folgt logischerweise die polarisierung in gut und böse, heilend und verletzend, antidot und gift. und da ich nicht zuletzt deswegen eine differenziertere und persönlichere auseinandersetzung mit dem thema auch auf gesellschaftlicher ebene für sehr wichtig halte, reiss ich es hier (für mich) noch einmal an:

1. begriffsdefinition der romantischen zweierbeziehung (von hier):

„idealtypisch meinen wir damit diejenige beziehung zwischen zwei menschen, in der durch absprache(n) („wir sind jetzt zusammen!“) geregelt ist, dass die beiden eine für sich einzigartige soziale beziehung und emotionale bindung (liebe) haben, und mit der eine mehr oder weniger verbindliche ausschließlichkeitserklärung („treue“) auf sexueller/körperlicher ebene automatisch (ohne weitere absprache) eintritt oder vereinbart wird.

wir fassen unter die rzb zahlreiche konzepte des zusammenlebens: die ehe, die offene beziehung, das liebespaar, etc.
die abgrenzung zur beziehung – ein band, das zwischen vielen menschen existiert – ziehen wir bei der liebe, der romantischen liebe, die nur zwischen zwei menschen bestehen kann und bei der absprache, der die einschränkungen auf sexueller/körperlicher ebene regelt.“

ja, schon kacke. warum so einschränkend und ausgrenzend, gar unkommunistisch fragt sicher jede/r, die/der über dieses oder vielleicht auch jenes zeug notwendigerweise auf die polyamorie stösst. doch um diesen immer mehr verwendeten begriff und seine beliebige anwendung soll es heute noch nicht gehen.

vielmehr stosse ich immer häufiger auf eine art einfach reflektiertes feindbilddenken, welches die vermeintliche einzige alternative generiert: auch durch eine gründliche und grundsätzliche kritik der freundschaft (z.b. hier dabei, sowie: „ich unterscheide nicht zw. freundschaft und liebe“) die konstruktion dieser und der rzb zu bewirken. hin zu einer gleichberechtigteren, sozialeren, ja kommunistischeren gesellschaft. puh, schwieriger weg. dass sich die beiden pole freundschaft und romantische liebe fast unversöhnlich gegenüberstehen, sich bedingen des kontrastes wegen, das bin ich schon gewillt zu glauben. auch dass gerade durch diese ausschliesslichkeiten eben diese berühmten mauern zwischen menschen entstehen, die so viele niederreissen wollen, auch das gehe ich mit.

„vielleicht muß man die liebe gefühlt haben, um die freundschaft richtig zu erkennen.“
sébastien chamfort

vielleicht. denn führe ich mir vor augen, was dieser kontrast eigentlich ist und was vor allem seine völlige dekonstruktion bedeuten würde, wird mir sehr unwohl. es beginnt ein beliebigkeitsschleier meinen blick auf zwischenmenschliche beziehungen zu trüben. die l(i)ebenswerten kontraste und unterschiede dieser beziehungen lassen auch mich gefühllosen menschen eine ode an die unendlichkeit der vielfalt anstimmen. ja, ich trenne zwischen meinen beziehungen. tut ja eigentlich(!) doch jede/r. in den für mich berühmt-berüchtigten zeiten der „beziehungsreflektionen“ werden mir immer wieder gravierende unterschiede bewusst und gerade das gefühl der liebe, und sei es nur ein ansatz dessen, hebt sich am meisten vom rest der beziehungen ab. leider verkommt sowas leicht zum mittel der einfachen messung bestimmter charakteristika (auch stufen) der beziehungen und ich bin versucht sie einzuordnen und fertsch damit. stellt sich irgendwann eine änderung ein (bspw. fangen wir an, uns zur begrüssung zu umarmen), zwingt mich das zur neudefinition und einstufung. um solche schubladen zu umgehen, probiere ich möglichst flüssig, also auch grafisch zu denken.
und so würde mein beziehungs-/gefühlsgeflecht wohl am ehesten aussehen:


(ich zeichne euch besser nicht einzeln ein, wobei fast alle möglichkeiten bestehen: jede erdenkliche zwei- ja gar dreidimensionale form je nach ausdehnung und lage)

hui, ganz schön weg vom thema, aber sei’s drum.

ach ja, „liebe unlimited“. geschaffen durch die negation von „liebe limited“.
oder doch lieber streben nach wissen und objektivität auf die destruktiv-kritische? können wir tatsächlich ’nen tick besser sein als die vulkanier? kommunismus durch pure logik und reine bedürfnisbefriedigung? durch wissenschaft und das szenige allheilmittel der dekonstruktion?

„gewissheit ist die grundlage, nach der die menschlichen gefühle verlangen.“
honore de balzac

sicher, ich bin auch ein freund des denkens. nicht (aber auch … jaja) der beherrschung der gefühle, sondern der selbstkonditionierung. der dekonstruktion von gefühlen aufgrund des gefühls einer physikalischen und chemischen logik. aber auch der hingabe an meine gefühle. das fallenlassen. das blindsein. bis zu einem punkt des entzugs und einer sich breitmachenden, beängstigenden klarheit. folgende reflexion. aufbereiten der gefühle und prophylaktische konditionierung. auswerten der ergebnisse der konditionierung (re-reflexion?). vergleichen der gefühlszustände in vergangenheit, gegenwart und zukunft. ab- bzw. zurückdriften in diese zustände. sprich: erneute hingabe an meine gefühle. fühlen-denken-reflexion-konditionierung-reflexion-fühlen. so oder ähnlich.
ein teufelskreis. steckst nich drin und kommst nich raus.
klägliche versuche unter zuhilfenahme eines zweiten denkapparats kläglich gescheitert, da wohl zu unparteiisch oder unprofessionell. folge: hin- oder aufgabe.

fünf nach zwölf – ich drücke return

„am anfang gehören alle gedanken der liebe. später gehört dann alle liebe den gedanken.“
albert einstein

linear, praktisch, gut. aber der sagt das so einfach …

„die 1. folge einer endlichen geschichte“ was presented by: wirro-style unlimited
starring: ich und du, wir und ihr sowie alle und die andern
und vergiss nicht: sag niemals nie.

wirklich nie.


5 Antworten auf “poly… was?”


  1. Gravatar Icon 1 tomasz 01. März 2007 um 2:55 Uhr

    nun denn,
    ich zolle respekt,
    eine erste annäherung

    ich hab meine Annäherungen bisher nie mehr als in Brocken und Andeutungen zuwege gebracht, obwohl verschiedene Reflektionsfragmente und Schlussfolgerungen in meinem Kopf herumgeistern…

    aber ich werde mich hier angespornt um Ordnung und Klärung bemühn…
    aber versprechen tu ich nix ^^

  2. Gravatar Icon 2 schneck 01. März 2007 um 14:33 Uhr

    hm, versteh ich nich ganz :/

  3. Gravatar Icon 3 tomasz 02. März 2007 um 2:07 Uhr

    ach schneck!!!

    p.s.: frag ruhig nach!

  4. Gravatar Icon 4 Lanie 02. März 2007 um 13:51 Uhr

    “? kommunismus durch pure logik und reine bedürfnisbefriedigung? durch wissenschaft und das szenige allheilmittel der dekonstruktion?

    „gewissheit ist die grundlage, nach der die menschlichen gefühle verlangen.“
    honore de balzac „

    Klar, nichts anderes wäre doch die Emanzipation des Menschen durch seine ungehinderte Geisteskraft. Die Prinzipien der Solidarität, der natürlichen Effektivität etc. lasse sich alle durch Logik und Emperie erfassen. Bzw. sind es ja größtenteils schon.
    Idealogie,einfache Begrifflichkeiten etc führen eher zur Perversion weil sie in einem Wort, ein einer Ideologie gefangen sind und sich somit oft der dialiektischen Erfahrung des lesenden Subjekts innerhalb eines Textes entziehen. Diese Ausschließlichkeit spricht gegen den Ursprung der Philosophie (Und damit dem Versuch der Befreiung des Menschen) an sich und führt zur einer Verletzlichkeit welche die Möglichkeit der Perversion durch die gegebenen Zustände (Kapitalismus, jugendhafte rebellische Verblendung, etc) erst in einer Form ermöglicht die den Menschen so viel Leid gebracht.

    (Zumal auch oft Vorstellungen, gesell. Postulate von Liebe , polit. Theorien vion Zuneigung gibt die dieser Gefahr ebenfalls unterliegen.)


    „Die Tatsache der Verwandlung der Erfahrungsdinge ineinander ist der Stachel für die ersten philosophischen Überlegungen gewesen.“ (Philiosophie der Griechen/Kosmologie/Begriffe des Seins/Br. Bauer – das Substanzproblem in der griech. Philos Heidelberg 1910)


    „erneute hingabe an meine gefühle. fühlen-denken-reflexion-konditionierung-reflexion-fühlen. so oder ähnlich.
    ein teufelskreis. steckst nich drin und kommst nich raus.
    klägliche versuche unter zuhilfenahme eines zweiten denkapparats kläglich gescheitert, da wohl zu unparteiisch oder unprofessionell. folge: hin- oder aufgabe.“

    Zumindestens bist du dir dessen bewusst, das bürgt doch dann auch Potenziel einer differenzierten Betrachtung oder gar eines höheren Genusses der Liebe durch das Wissen um die unausgesprochenen Spielregeln das mit deiner Emperie wächst. :)

    Philosophische Grüße.

    btw.Guter Blog.

  5. Gravatar Icon 5 tee 05. März 2007 um 2:55 Uhr

    jaja, die dialektik …

    nur leider kommt die bei gegenstandpunkt, worauf ich mit ersterem (auch) anspielte, nicht so zum zug. die sind meister der begrifflichen bestimmung von gegenständen. dass würde ich oft schon pervertiert nennen, wenn ich nicht mit (dem begriff) der perversion auf kriegsfuss stehen würde.

    das balzac-zitat gefiel mir, da es für mich hervorragend die dialektikische verbindung von gefühlen und wissen darstellt. von balzac wohl eher ungewollt, meinte er doch sicher die gewissheit der gegenseitigkeit der gefühle, der liebe. wenn mensch sich der liebe seines genüber und miteinanders sicher ist können sich die gefühle entfalten. meinst du im letzten satz ja auch (wenn auch vielschichtiger) und damit habt ihr auch nicht unrecht.
    nur kommt es bei der dekonstruktion der liebe zwangsweise auch zu einer begrenzung oder verdrängung von gefühlen. lässt sich schwer ausdrücken grad. durch die reflexion der gefühle auf ihre ursachen werden diese, so denke ich, im entstehen gehemmt. denn mache ich mir immer wieder klar, worauf die „sympathie“ eigentlich gründet, entziehe ich diesen gefühlen ihre blindheitsmachende basis. und zwar durch wissen und gewissheit über ihre entstehung und sein. denn wo licht ist, kann dunkelheit nicht wachsen. ja, sowas böses fällt mir dazu ein. dazu zählt das eigene wissen um die gefühle sowie die sog. bedürfniskommunikation. was und wie wollen wir und warum überhaupt?
    dass durch dieses „warum überhaupt“ mitunter gefühle verdrängt werden, damit könnte mensch ja noch leben. aber wenn das oft auch aus selbstschutz passiert (vorsichtshalber kommunikation mit partner/in/nen beschränken) wird’s kritisch. etwas nicht erörtern und reflektieren um der gewissheit der chemie vorzubeugen und sich so tiefer fallen zu lassen. gefühle besser ausleben zu können. ich glaube es stimmt: dumm liebt gut. um so reflektierter eine beziehung ist, desto schwieriger ist sie auch.
    ich bin grundsätzlich schon der meinung, dass das „wissen um die unausgesprochenen spielregeln“ aber dem wissen um die ausgesprochenen spielregeln weichen sollte. das problem ist nicht der höhere genuss, ich glaube der stellt sich tatsächlich ein. sondern des kleineren potenzials. denn auch das macht die liebe aus: die unwissenheit, die überaschungen den/die partner/in/nen und eben auch die liebe selbst betreffend.

    puh, jetzt bin ich verwirrt und hab kopfschmerzen bekommen, als arbeite etwas gegen mich. aber ist nach christlicher zeitrechnung ja auch schon spät.

    irgendwie konnt ich überhaupt nicht das ausdrücken, was ich wollte. vielleicht ein andermal …

Antwort hinterlassen

:) :( :d :"> :(( \:d/ :x 8-| /:) :o :-? :-" :-w ;) [-( :)>- more »

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× sieben = dreiundsechzig