regressive tendenzen und tendenzielle regressionen

die tierrechtler haben sich so den traum aller politfunktionäre erfüllt – eine basis, die ihrem vertreter nie das vertrauen entzieht. die für tierrechtler entstehende stellverteterposition, in der sie sich notwendig wiederfinden müssen, widerspricht paradoxerweise jedoch der antispeziesistischen weltanschauung, da sich der mensch damit unzulässig über die tiere erhebt. diese inkonsistenz der ideologie führt jedoch nicht zum kritischen hinterfragen dieses denkens, sondern zum umso hartnäckigeren moralisieren im vermeintlichen sinne der tiere. für einen menschen ist es nicht zu erschliessen, wie ein tier sich in bestimmten situationen fühlt. wenn er es dennoch versucht, projeziert er menschliches bewusstsein auf die begriffslose welt der tiere.

wenn sie das [auf den genuss von fleisch verzichten] dann aber tatsächlich tun sollte, dann werden sie diese entscheidung nicht treffen, weil mensch und tier gleich sind, weil menschen auch nur tiere sind wie das tierrechtsorganisationen regelmässig erklären, sondern sie werden das aufgrund des gegenteils tun, weil nämlich der mensch aufgrund seines unterschieds zum tier zu vernunft und emphase fähig ist und damit auch zu mitleid mit der geschundenen kreatur.

dies sind noch zwei der wenigen moderaten und transkriptionswürdigen stellen aus dem sonst unsäglichen vortrag der ag no tears for krauts halle. den ganzen mitschnitt der veranstaltung „who killed bambi – über das regressive bedürfnis deutscher tierfreunde“ kann mensch sich hier leider nicht mehr als mp3 ziehen (war ihnen wohl doch zu peinlich. naja, dafür habe ich hier in der fussnote was verlinkt). [EDIT: hier unter 4. wieder]

wie ich überhaupt auf so‘n scheiss komme?
nun, ich verschlief leider eine (scheinbare) neuauflage der veranstaltung: „who killed bambi – über regressive tendenzen der deutschen tierrechtsbewegung“. toll als mich sonnenwind am tag danach mit einer zusammenfassung darauf aufmerksam machte, dass in meiner linken arschtasche ja noch das a6-glanzpapier mit dem schweinskopf steckt.

na wenigstens weiss ich nun wieder, dass es am 07.06.07 laut flyer ein referat und diskussionen „mit annäherung an die straight edge szene“ geben wird. und zwar um 18 uhr im volkshaus leipzig.

ps: wehe es denkt wer, dass ich mit dem zitierten so konform gehen würde. aber über solche punkte überhaupt mal nachzudenken, könnte sich für manche sicher lohnen …


12 Antworten auf “regressive tendenzen und tendenzielle regressionen”


  1. Gravatar Icon 1 Fraktale 26. Mai 2007 um 14:19 Uhr

    Eigentlich gar nicht so schlimm wie erwartet der Vortrag… Kamen die Lacher zu Beginn („weißes Blut“) aus der no-krauts Ecke oder aus der von anwesenden Antispes/Tierrechtlern?

    Gab es danach eigentlich eine Diskussion („Diskussion“)?

  2. Gravatar Icon 2 tee 27. Mai 2007 um 16:13 Uhr

    bei dem in leipzig gab’s wohl ’ne kleine diskussion. nur mehr so über die methodik der referenten. aber nichts genaues weiss ich nicht …

    und bei der uraufführung in halle (der mitschnitt) war ich ja leider auch nicht dabei und viel wurde mir nicht erzählt. aber es könnte wer, der da war, was dazu sagen. los, sag mal was …..! ich weiss doch, dass du hier mitliest!

    (lässt mich wieder zum eigentlichen problem kommen: die meisten antispes diskutieren halt nicht gerne …)

  3. Gravatar Icon 3 schneck 27. Mai 2007 um 18:36 Uhr

    pff!
    ja, die lacher kam von seiten der antispes. und diskussion gab es danach auch.. aber naja..

    und tee: -.-

    (lässt mich wieder zum eigentlichen problem kommen: die meisten antispes diskutieren halt nicht gerne …)

    die meißten speziesisten auch nicht

  4. Gravatar Icon 4 tee 27. Mai 2007 um 20:36 Uhr

    nun, die meisten speziestisten reflektieren aber gar nicht ihren speziesismus. und sie beschäftigen sich eben auch politisch nicht damit. politisch engagierten antispes kann ich einen nicht vorhandenen willen zur diskussion daher wohl vorwerfen, normalo-spes aber nicht.

    ps: an dich hatte ich mit mitleser gar nicht gedacht …
    sondern an ein viel aktiveres mitglied der szene (ja, noch aktiver)

  5. Gravatar Icon 5 schneck 27. Mai 2007 um 20:56 Uhr

    wieviel antispes kennst du denn, tee?

  6. Gravatar Icon 6 tee 27. Mai 2007 um 21:53 Uhr

    naja, auf der internet-diskussionsebene ein paar die z.b. veg.gs/de lesen und so noch etwa 5 oder 6. moment: minus eins natürlich! obwohl ich mir da echt vorwürfe mache …
    aber es stimmt schon, ein paar -nur meiner erfahrung nach die minderheit- sind doch an „inhaltlicher weiterentwicklung“ interessiert.

  7. Gravatar Icon 7 jazzadeiro 28. Mai 2007 um 20:08 Uhr

    „die tierrechtler haben sich so den traum aller politfunktionäre erfüllt – eine basis, die ihrem vertreter nie das vertrauen entzieht. die für tierrechtler entstehende stellverteterposition, in der sie sich notwendig wiederfinden müssen, widerspricht paradoxerweise jedoch der antispeziesistischen weltanschauung, da sich der mensch damit unzulässig über die tiere erhebt. diese inkonsistenz der ideologie führt jedoch nicht zum kritischen hinterfragen dieses denkens, sondern zum umso hartnäckigeren moralisieren im vermeintlichen sinne der tiere. für einen menschen ist es nicht zu erschliessen, wie ein tier sich in bestimmten situationen fühlt. wenn er es dennoch versucht, projeziert er menschliches bewusstsein auf die begriffslose welt der tiere.“

    Was soll er denn sonst tun? Die Interessen von Individuen anderer Spezies ignorieren, weil diese nicht (wohlmöglich in grammatikalisch korrekter deutscher Sprache) mit uns sprechen können? Das ist doch Unsinn. Dieser Aussage zuzustimmen würde bedeuten, auch Babys oder z. B. Menschen mit Alzheimer oder Down-Syndrom im Zweifel die Rücksichtnahme abzusprechen, weil es diskriminierend wäre, Annahmen über ihre Interessen zu treffen.

    Ja, es ist problematisch, das Vorliegen und die Dringlichkeit von Interessen und Bedürfnissen einzuschätzen, und gegen die eigenen Interessen abzuwägen. Sich damit „über die Tiere (oder andere Individuen) zu erheben“ ist aber kein Argument – das wird es erst dann, wenn die Annahme dazukommt, jemand würde beim Interpretieren der Interessen anderer die Situation von vornherein zugunsten der eigenen Interessen wahrnehmen. Meiner Erfahrung nach ist dies aber vor allem bei Verteidigern des Speziesismus der Fall, weniger bei Antispes und schon gar nicht bei Tierrechtlern. Denn Tierrechtler gehen theoretisch gar nicht soweit, Interessen gegeneinander abzuwägen, weil sie allen Tieren ungeachtet der jeweiligen Interessenkonflikte gewisse Grundrechte zusprechen, die immer zu respektieren sind. Das wäre meine eigentliche Kritik an ihnen, weil es immer Interessenkonflikte geben wird, die sich nicht vollständig kooperativ lösen lassen.

    Wenn das Zitat oben als Ablehnung subjektiver Interpretation von Interessenkonflikten zu verstehen ist (weil man sich dadurch „über“ die anderen stellt), kann die Antwort eigentlich nur die Festlegung objektiver Reglungen sein. Genau die haben wir schon in Form von Gesetzen (über deren Inhalte dann lediglich noch zu streiten wäre). Damit fordern die Urheber des Zitats doch genau das, was sie mit den „Stellvertreterpositionen“ zu kritisieren versuchen.

    „wenn sie das [auf den genuss von fleisch verzichten] dann aber tatsächlich tun sollte, dann werden sie diese entscheidung nicht treffen, weil mensch und tier gleich sind, weil menschen auch nur tiere sind wie das tierrechtsorganisationen regelmässig erklären, sondern sie werden das aufgrund des gegenteils tun, weil nämlich der mensch aufgrund seines unterschieds zum tier zu vernunft und emphase fähig ist und damit auch zu mitleid mit der geschundenen kreatur.“

    Kreaturen? Wer definiert denn überhaupt „den“ Unterschied zwischen Menschen und anderen Individuen? Den Autoren zufolge liegt dieser in „Vernunft und Emphase“. Auch das ist Unsinn. Nicht nur, weil Emphase (nachdrücklich für etwas einstehen?) und Vernunft (Treffen rationaler Entscheidungen zugunsten eigener Interessen?) mit Sicherheit auch bei einigen nicht-menschlichen Individuen anzutreffen sind (z. B. bei Bienen, die aufgrund der abgeschätzen Weglänge entscheiden, ob sie lieber zu einer Nahrungsquelle oder zum Bienenstock zurück fliegen), oder weil Moral ein viel typischeres Merkmal für (einige) Menschen wäre. Sondern auch, weil all diese Kriterien zur Gruppierung von Individuen willkürlich wären. Siehe oben: nehmen wir an, ein irgendwie vom Mainstream abweichender Mensch wäre nicht in der Lage, Situationen moralisch einzuschätzen. Sollten wir ihm deshalb die moralische Berücksichtigung verwehren? Was sollte bei der Berücksichtigung anderer Individuen anderes relevant sein, als Vorliegen und die Dringlichkeit dieser (und der eigenen) Interessen selbst?

  8. Gravatar Icon 8 tee 07. Juni 2007 um 14:12 Uhr

    es geht der einfachheit halber im nachfolgenden beitrag weiter.
    ungefähr ab diesem kommentar von jazzadeiro.

  9. Gravatar Icon 9 motzi 17. Juni 2009 um 19:26 Uhr

    weißte vielleicht obs irgendwo noch die audiomitschnitte zu der who killed bambi veranstaltung in halle und in leipzig zu finden gibt? auf der ag ntfk seite isser down.

  10. Gravatar Icon 10 tee 18. Juni 2009 um 2:08 Uhr

    ach ja mist, ich weiss. selbsterinnerung: nächstens immer alles spiegeln! aber als entschädigung:

    http://brennessel.blogsport.de/2008/07/19/ein-mensch-ein-schwein-ein-tofu-sein/#fn1216426565126n

    dennoch danke für den hinweis, ich ändere das dann oben mal …

  11. Gravatar Icon 11 tee 09. Juli 2009 um 23:46 Uhr

    ups. ich hatte ihn doch noch. hab ihn auf die schnelle mal hier hochgeladen. viel spasz damit ;)

  1. 1 ein mensch ein schwein ein tofu sein* - anti-antispe reloaded « tee Pingback am 20. Juli 2008 um 7:29 Uhr

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