zwischen schwarz-rot und schwarz-rot-gold – das conne island in der modernisierungsfalle

Der nationale Taumel während der Fußball-WM hatte mit dem Conne Island auch ein antinationales Vorzeigeprojekt erfasst. Deutschlandfahnen im Conne Island. Dass war vor allem deshalb schwer zu verstehen, weil das BetreiberInnenkollektiv in Sachen nationaler Parteinahme es bisher öffentlich nie an expliziter Ablehnung mangeln ließ und quasi zeitgleich zur WM mit der Kampagne »I Can‘t Relax In Deutschland« durch die Metropolen Deutschlands tingelte, um gegen die popkulturell modernisierte Heimatidentifikation zu agitieren.
Die mehr oder weniger stillschweigende Akzeptanz eines positiv zu diesem neuen Deutschland stehenden Fußballpublikums zeigte zwar keine Positionswende des Projekts an. Es war allerdings eine fatale Unterlassungsleistung. Sie geschah in einer Situation, in der sich der geläutert und liberal gebende Identifikationswahn gegen letzte Widerstände durchsetzte. Fatal vor allem auch für das Conne Island selber, verschenkte es doch ein Stückweit vom Anspruch politischer Nonkonformität und damit von einer Ressource, die nach dem Ende des Subversionsmodell Pop als letztes und wichtigstes Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Kulturprojekten übriggeblieben war.

Allerdings waren es keine bewussten Entsolidarisierungen politischer Gruppen gegenüber dem Conne Island, die sich hier Bahn brachen. Aber so wie sich die Bedeutung einer radikalen Linken veränderte, ihre Debatten sich auf theoretische Wahrheitsfindung konzentrierten und linke Lebensläufe vielmehr an ökonomischen Zwängen orientieren, verlor das Conne Island als Gegenstand und Ort linker Strategiediskussion an Bedeutung. Sicher, dass CEE IEH als publizistisches Mitteilungsorgan wurde noch von seinen Autoren gelesen, es gab weiterhin eine inhaltlich begründete Türpolitik, deren polizeiliche Dimension noch am ehesten ans alte Selbstverständnis von »Nazis raus« anknüpfen konnte. Für eine vor allem auf subkulturelle Identifikation orientierte Fraktion war diese Entwicklung ohnehin bequem. Unterm Strich aber litt die politische Selbstverortung, das herausragende, wenn auch schon früher oft nur oberflächlich verankerte Profilmerkmal des Conne Island. Die am Boden liegende linke Gruppenlandschaft gab kaum noch Impulse: Entweder die alte und im Laden lange durchgesetzte Leier vom Antiamerikanismus und der »antisemitischen Internationale«. Oder akademisch wirre Debatten von »Nicht-mehr-links-sein-Wollenden«, die mit den Möglichkeiten und praktischen Notwendigkeiten eines soziokulturellen Stadtteilprojekts kaum koppelbar waren.

(auszüge aus uli schusters beitrag zur 15 jahre conne island-broschüre)


1 Antwort auf “zwischen schwarz-rot und schwarz-rot-gold – das conne island in der modernisierungsfalle”


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