Pro Homo

Sookee und Tapete mit „Pro Homo“ nun auch in der Video-Version:

Naja, Geschmackssache. Außerdem wird der heterosexuellen Normidentität wie immer nur die Alternatividentität „Queer“ entgegengestellt und nun auch genauso fotografiert. Bärtige Tunten und offensichtliche Kurzhaarlesben. Das Spielen mit Klischees suckt so langsam. But not in that good way.

Nachwievor stehe ich sowieso eher auf die Solo-Oldschool-Version, die schon dramaturgisch weitaus mehr zu bieten hat. Allerdings – es ist nicht alles Gold, was glänzt. So bewirbt1 Sookee auf ihrer Homepage weiterhin Alben wie Konnektions. Diese Inkonsequenz bei ihrer Art der politisch korrekten Rapagitation wirft Fragen auf. Kommentare wurden jedoch gelöscht, direkte Nachfragen nicht beantwortet. Mein bitterer Beigeschmack der Vorzeige-Anti-Homophobie-Aktivistin des Hip Hop bleibt.

  1. Update: Als Reaktion auf diesen Eintrag verschwanden die direkten Verlinkungen. [zurück]

96 Antworten auf “Pro Homo”


  1. Gravatar Icon 1 drikkes 20. Mai 2011 um 13:22 Uhr

    Ich finde einfach das Lied vom künstlerischen Aspekt her nicht so toll. Aber es ist wenigstens gut gemeint, da muß man den Griff in die Klischeekiste jetzt nicht überbewerten und kaputtkritisieren. Am Ende ist es „nur“ ein Musikvideo.
    Im Kontext von Sokees anderen Aktivitäten kann ich das allerdings nicht beurteilen, kenne ich einfach zu wenig.

  2. Gravatar Icon 2 tee 20. Mai 2011 um 20:58 Uhr

    ja, ähm…… also:

  3. Gravatar Icon 3 drikkes 20. Mai 2011 um 23:27 Uhr

    Daß es HipHopper gibt, die witziger und glaubwürdiger texten können, wollte ich auch nicht infrage gestellt haben. Doch sollte man immer die Zielgruppe mitbedenken. Und das Gegenteil von gut ist nunmal schlecht.
    Kommentare löschen, Diskussionen abwürgen – natürlich nicht die feine Art, ganz klar.

  4. Gravatar Icon 4 !!!! 21. Mai 2011 um 15:47 Uhr

    am ende hört sich das so an, wie die vorwürfe, die ich mittlerweile schon ganz schön altbacken finde; nämlich dass doch auch mal die ganz Normalen Schwulen Und Lesben auch mal bitte sichtbar werden sollen und nicht -Immerimmer- die Tunten und die Kampflesben. was würde ich dafür geben, den ganzen tag von butches, lederdykes und tunten umgeben zu sein :) zusätzlich versteh ich nicht, was das eine (sookees verlinkungen) mit dem anderen (die darstellungsweisen des videos) zu tun hat, außer dass man sich ma schön über ne person auskotzen möchte. die verlinkungen sind kritikwürdig. das video hat wie alle medialen produkte auch kritikwürdige aspekte; abfällige bemerkungen gegenüber „Bärtige[n] Tunten und offensichtliche[n] Kurzhaarlesben“ finde ich alledings mehr als daneben.

  5. Gravatar Icon 5 tee 21. Mai 2011 um 16:37 Uhr

    nämlich dass doch auch mal die ganz Normalen Schwulen Und Lesben auch mal bitte sichtbar werden sollen

    die können sichtbar oder unsichtbar sein, mir im normalen leben ziemlich egal. nicht egal sind mir jedoch verhältnisse mit geschlechts- und präferenzkonstrukten, sowie starken sexuellen identitäten, die maßgeblich ihren teil zur heteronormalisierung der gesellschaft beigetragen haben und es weiterhin tun. (ja, auch und gerade durch die „schwule sind ok, solange sie mich nicht anfassen“-tolerierung durch eine nachwievor homophobe und heterosexistische gesellschaft. zur vermeintlich tollen liberalität in dieser beziehung verlinke ich gern das: http://fqueer.blogsport.de/2008/06/28/tolerante-scheissdeutsche-iii-gereizt-bis-gewaltaetig/)

    zusätzlich versteh ich nicht, was das eine (sookees verlinkungen) mit dem anderen (die darstellungsweisen des videos) zu tun hat, außer dass man sich ma schön über ne person auskotzen möchte.

    den widerspruch von anspruch und wirklichkeit, von attitüde und sexistischer normalität z.b.
    geht das beides in einer (medialen) person zusammen, dann äußere ich meine bedenken schonmal. ich finde es halt kritikabel, einerseits in videos und interviews gegen sexismus und homophobie anzugehen, andererseits öffentlich musik zu bewerben, in denen genau das vertreten wird. verstehste?!

    ich verstehe wiederum nicht, wieso du „Bärtige Tunten und offensichtliche Kurzhaarlesben“ mehr als daneben findest. und dann selbst tunten schreibst. was soll daran abfällig sein?

    zusätzlich ich verstehe nicht, was dein wunsch, „den ganzen tag von butches, lederdykes und tunten umgeben zu sein“ mit einem offensichtlich politischen, ja agitatorischen video zu tun hat.

  6. Gravatar Icon 6 tee 21. Mai 2011 um 17:12 Uhr

    und auch vielen dank für solidarishe kritik! fuck off an alle, die nur motzen und meinen, dass ich irgendwie dieses und jenes nicht richtig mache. ihr habt keinen check, was das für kraft kostet, dieser bekackten malestream-szene entgegenzutreten!

    … schreibt sookee übrigens bei facebook. ich zähle mich ja zu den zuerst angesprochenen.

  7. Gravatar Icon 7 !!!! 21. Mai 2011 um 18:43 Uhr

    Mir ist es nicht egal, ob Schwule und Lesben als solche sichtbar in der Öffentlichkeit auftreten, gerade angesichts der alltäglichen Diskriminierung, Marginalisierung und Gewalt, die nicht-heterosexuelle Personen im Alltag erleben.

    Ja, ich hatte ja auch geschrieben, dass ich die Verlinkungen kritikwürdig finde, also deinen Punkt verstehe.: „die verlinkungen sind kritikwürdig.“. Und selbst wenn Sookee, was nicht der Fall ist, diese Musik verlinkt hat weil sie sie gut findet, kann sie immernoch gleichzeitig ganz fantastische emanzipatorische Musik machen. Und das bedeutet wiederum nicht, dass man Bedenken zurückstecken sollte. Nur sehe ich darin keinen Zusammenhang zum Pro Homo-Video und das finde ich dann doch irritierend, den einen Argumentationsstrang abzubrechen und mit etwas völlig anderem zu beginnen.

    Ich habe nicht geschrieben, dass ich den Ausdruck „Bärtige Tunten und offensichtliche Kurzhaarlesben“ daneben finde. Ich habe geschrieben: „abfällige bemerkungen gegenüber „Bärtige[n] Tunten und offensichtliche[n] Kurzhaarlesben“ finde ich alledings mehr als daneben.“
    Also ist es nicht der Begriff der Tunte oder der Kurzhaarlesbe, der mich stört, sondern dass sie abfällig gebraucht werden indem du sie mit einem „nur“ versiehst und davon sprichst, dass dieses „Spielen mit Klischees“ so langsam „suckt“. Ich als Tunte muss da sagen, dass ich nicht einfach mit „Klischees spiele“, sondern mich genau so als Tunte wohlfühlen möchte. Das ist mir aber im Alltag in den allermeisten Situationen in der Öffentlichkeit versagt, da ich kaum einen Schritt im Fummel aus dem Haus machen kann, ohne angepöbelt zu werden! Ähnlich geht es anderen Personen, die nicht in das von Heterosexuellen oder zumindest das von heteronormativ geprägten Vorstellungen von „Normalität“ gewünschte Bild der braven angepassten Homosexuellen passt. Die Beschwerde darüber, dass ich eben nicht von solchen als deviant markierten Personen umgeben bin, sondern fast ausschließlich von Personen, die als heterosexuell gelesen werden, ist für mich durchaus politisch und ist Grundlage für sichtbarkeitspolitischen und betroffenheitspolitischen und queeren Aktivismus. Genauso ist es in meinen Augen auch ein bedeutendes Anliegen dieses Videos, eben nicht das zu präsentieren, was sich der heterosexuell gedachte Mainstream wünscht, sondern sich selbst zu feiern, genau so wie man ist und wenn da nun gegenüber sämtlichen schwulen und lesbischen Mainstream-Medien der angepasste über-männliche Schwule keinen Platz drin findet, dann sollte -er- sich überlegen, warum er sich nicht mit einer Tunte identifizieren kann, anstatt der Tunte zum zehntausendsten Mal vorzuwerfen, sie sei überpräsent – Was sie nicht ist!

  8. Gravatar Icon 8 rhizom 21. Mai 2011 um 18:52 Uhr

    Das Witzige ist doch, dass sich die Leute für ein Video zum Thema Homosexualität Glitter und Federboa umhängen, weil sie das für subversiv halten, aber in ihrem Alltag vermutlich ganz normale Klamotten tragen. Aber subversiv ist das weder in die eine noch die andere Richtung: Es ist nicht subversiv im Hinblick auf Geschlecht, weil Geschlechtersubversion auf das Thema „Homosexualität“ eingeengt wird; und es ist nicht subversiv im Hinblick auf gleichgeschlechtliche Liebe, weil diese durch die Übertretung von Geschlechternormen als „andersartig“ markiert wird. Ja, es ist nicht einmal subversiv im Hinblick auf Frauenrollen, weil das Frauenbild, dem Tunten nacheifern, so extrem überzeichnet und konservativ ist, dass bell hooks darin sogar einen Akt der Frauenfeindlichkeit erkennen wollte.

    Das ist nun keine böse Absicht, sondern das ist das Grundproblem der „Queer Theory“: dass die Möglichkeit der Auflösung von Geschlecht exemplarisch an gleichgeschlechtlicher Liebe festgemacht wird. Aber darin koinzidieren „Queers“ noch mit dem allerletzten Spießbürger, der die vermutete Fistelstimme von Schwulen imitiert, um sich an der geschlechtlichen Devianz von Homosexuellen seiner eigenen Normalität zu versichern. Queers machen letzten Endes das gleiche, nur vom anderen Ende aus gesehen: Sie „performen“ ihre Homosexualität durch die Abrufung der Bilder, die man zur sozialen Abgrenzung von ihnen erschaffen hat. Schwuler Witz und Schwulenwitz sind eins – wie könnte es auch anders sein?

    Um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich schätze Leute, die das gesellschaftlich konstruierte Bild des Devianten so konsequent internalisiert haben, dass es ein authentischer und würdiger Teil ihrer Person ist. Ich liebe Tunten und Dykes. Ich schätze sie mehr als jene, die sich in Abgrenzung davon einer Normalität befleißigen, deren ebenfalls konstruierten Charakter sie an keiner Stelle durchschauen. Aber sich ’ne Federboa umzuhängen und sich wie ein Clown zu schminken, um für einen Video-Take mal kurz die Tunte zu spielen: das ist weder authentisch noch subversiv, sondern einfach nur gaga.

  9. Gravatar Icon 9 tee 21. Mai 2011 um 19:00 Uhr

    Nur sehe ich darin keinen Zusammenhang zum Pro Homo-Video und das finde ich dann doch irritierend, den einen Argumentationsstrang abzubrechen und mit etwas völlig anderem zu beginnen.

    na vielleicht mein fehler. allerdings finde ich „sookees neues video“ und sookees alte homepage“ jetzt nicht sooo völlig anders. hat beides mit sookee, ihrer musik und ihrem politischen engagement zu tun.
    ich wollte erst nur das video bloggen, vor allem weil ich das lied schon früher (in der solo-version) sehr gut fand. dann bot sich aber die gelegenheit, gleich noch die kritik an den amazon-links mit anzuschließen. warum auch nicht, schließlich stieß die kritik weder per mail noch in ihren homepage-kommentaren auf resonanz (abgesehen von der löschung).

  10. Gravatar Icon 10 tee 21. Mai 2011 um 19:12 Uhr

    ich stimme rhizom zu. und „was sich der heterosexuell gedachte Mainstream wünscht“ sind ebenso klar erkennbare schwule und lesben, tunten und dykes. so funktioniert die abgrenzung beider seiten prima, die heterosexistische normalität und liberal-gedämpfte homophobie auf der einen und die queere alternative auf der anderen seite.

    ps: „queer“ benötigt außerdem die heterosexuelle normalität (oder heteronormative gesellschaft) als konstituierende alterität und reproduziert diese auch. ja, das seh‘ ich durchaus in dem video.

  11. Gravatar Icon 11 !!!! 21. Mai 2011 um 19:25 Uhr

    @rhizom: sorry schatz, aber eine tunte ist eine tunte ist eine tunte und eifert nicht irgend einem frauenbild hinterher. da bist eher du es, der in nem zweigeschlechtlichen wertesystem stecken bleibt. woher willst du wissen, wie die personen aus dem video im alltag unterwegs sind und was spielt es überhaupt für eine rolle?! das ist doch nur eine form von diskreditierung aus einer dominanten position, die andere aburteilt oder ihnen ihre „authentizität“ abspricht!
    hier wird das thema Homosexualität ganz bewusst als solches gewählt und insbesondere eine Schwule Thematik (ohhh graus, es werden Identitätskategorisierungen AUSGESPROCHEN Wahhh!). hier geht es um ein spezifisches schwulenfeindliches phänomen im hip hop, die aussage „nohomo“ nämlich, die sich ganz klar gegen schwule richtet. darauf macht der text zunächst aufmerksam um dann darauf hinzuweisen, dass homophobie gesellschaftlich fest verankert ist.
    auch in -deiner- markierung der dargestellten personen als „andersartig“ bleibt es einfach nur -deine- markierung und -deine- abwertung dieser personen. was macht sie denn in deinen augen so andersartig? genau das ist doch das problem, dass der großteil der leute denkt, tunten, schwule, butches, lesben, trans*personen … seien „andersartig“ und verachten sie deswegen. anstatt sich nun gemeinsam zu freuen, solidarisch zu sein, dass es eine -positive- Sichtbarkeit gibt und nicht immer nur leidende queers, sondern dass hier leute sind, die sich über das, was sie sind, freuen, wird hier die authentizität der personen infrage gestellt und behauptete sie seien nicht „subversiv“. wie soll ein mensch denn bitteschön subversiv sein?! es geht dabei doch um machtverhältnisse, die dazu führen, dass genau dann, wenn eine tunte im fummel mit federboa und glitzer auf die straße geht, ihr das von vornherein durch sanktionierungen bishin zur gewalt untersagt wird. das video ist PRO ausleben, PRO sich selbst sein, PRO deviant sein.
    Ich persönlich mache im Endeffekt NICHT das gleiche, wie dein Spießbürger. Ich bin nicht wie ich bin um subversiv oder deviant oder whatever zu sein. Ich bin so, weil ich es will, weil ich mich wohl fühle und weil ich nicht einsehe, warum ich mich genau diesem Spießbürger oder sonst einem vorgefertigten Lebensentwurf anpassen sollte. Da geht es nicht um Subversivität und darum geht es auch nicht in der Queer Theory. Queer Theory geht eben nicht davon aus, dass bestimmte Bilder bestimmte Effekte erzielten. Also dass bestimmte Bilder subversiv seien und andere nicht.

    „Aber sich ’ne Federboa umzuhängen und sich wie ein Clown zu schminken, um für einen Video-Take mal kurz die Tunte zu spielen:“
    --> Das ist einfach nur transphob und bedarf keiner Antwort.

  12. Gravatar Icon 12 tee 21. Mai 2011 um 19:33 Uhr

    identität ist wichtig und alles, doch es das eigene und andere bergen auch fallen. was glaubt man zu wissen, was sind nur klischees. die stereotype bahnen sich ihren weg.

    (sookee – pro homo)

  13. Gravatar Icon 13 tee 21. Mai 2011 um 19:44 Uhr

    Ich bin nicht wie ich bin um subversiv oder deviant oder whatever zu sein. Ich bin so, weil ich es will, weil ich mich wohl fühle und weil ich nicht einsehe, warum ich mich genau diesem Spießbürger oder sonst einem vorgefertigten Lebensentwurf anpassen sollte.

    ja und? genau wie der spießbürger. der ist so, wie er es will, weil er sich so wohl fühlt und weil er nicht einsieht, warum es sich etwas anderem oder sonst einem alternativen lebensentwurf anpassen sollte. so what?

  14. Gravatar Icon 14 !!! 21. Mai 2011 um 19:54 Uhr

    der punkt, weshalb ich nicht wie der spießbürger bin, ist jener, dass ich mich nicht von einer vermeintlich unnormalität abgrenze.

  15. Gravatar Icon 15 tee 21. Mai 2011 um 19:57 Uhr

    ich wollte nur die gemeinsamkeit aufzeigen. den rest hatte ich schon hier.

  16. Gravatar Icon 16 rhizom 21. Mai 2011 um 20:29 Uhr

    Liebe_r !!!!,

    was du dir als politische Kritik an Homophobie vorstellst, ist einfach nur die Umwertung von Werturteilen, ohne die dahinter stehende Konstruktionen in Zweifel zu ziehen. Wenn „Homos“ bislang verachtet wurden, dann sollen sie jetzt als „Homos“ geachtet werden. Prohomo statt nohomo. Auf die Idee, dass die Identität „Homo“ überhaupt nur existiert, weil gleichgeschlechtliche Liebe aus den Lebensentwürfen der Mehrheitsgesellschaft aussortiert wurde, kommst du leider gar nicht. Auch nicht darauf, dass die Zuschreibung geschlechtlicher „Irregularität“ etwas mit der Untermauerung des Konstrukts der sexuellen „Anormalität“ zu tun haben könnte, oder dass Tuntesein womöglich genausowenig ein natürliches Geschlecht ist wie Mann und Frau, sondern einfach nur das verworfene Supplement, das die patriarchale Gesellschaft benötigt, um die Dualität von „Mann“ und „Frau“ zu zementieren.

    Stattdessen also Identitätspolitik, das heißt die Fiktion, man könnte durch die Umwertung von Werten ein heiteres Nebeneinander all jener lustigen Identitäten herbeiführen, die es ja überhaupt nur gibt, um Geschlecht und Begehren normativ zu regulieren. Aber die Angst, durch gleichgeschlechtliches Verlangen zu einem „Anderen“ zu werden, erzeugt nunmal Homophobie, und daran werden auch tausend „Pro-Homo“-Image-Kampagnen nichts ändern, solange sie diese Zwangs-Identitäten nicht in Zweifel ziehen, sondern nur auf einer neuen Stufe reproduzieren.

  17. Gravatar Icon 17 !!!! 21. Mai 2011 um 21:20 Uhr

    solange es menschen gibt, die aufgrund von homophobie gewalterfahrungen machen müssen, ist es enorm wichtig, homophobie als solche zu benennen und solange schwule, lesben und trans*personen als solche diskriminiert werden, ist ein empowerment durch eben diese personen unabdingbar. was man so in akademischen zirkeln für den rest der welt unvermittelbar produziert ist nochma ne andere sache. aber die idee, dass homosexualität ein bloßes konstrukt ist, das da ist, um homophobie überhaup aufrecht zu erhalten, dreht den konflikt in eine richtung, die sich wiederum gegen marginalisierte personen richtet und homophobie eine berechtigung einräumt.

  18. Gravatar Icon 18 delilah 21. Mai 2011 um 22:07 Uhr

    rhizom: du liebst also würdige, authentische tunten und hältst die in dem video für unwürdig und unauthentisch. wie du dazu kommst, erklärst du mit keiner silbe. daher meine einschätzung: ganz normale transphobie, und vielleicht gehören da fiktive alibitunten genauso dazu wie deren äquivalente bei anderen phobien.

    deine behauptung – korrigier mich, wenn nötig – ist: nur 24/7-tunten sind echte tunten. was ist denn das für eine krasse forderung? draußen (und drinnen) laufen doch immerhin lauter leute rum, die tunten für ein patriarchales abfallprodukt oder schlimmeres halten (auch hier: keine schlüssige herleitung von dir, reines bashing).

    oder ist deine forderung etwa, dass tunten (bzw. alle menschen, deren echtheit du anzweifelst)einfach auf die nächste gesellschaftsordnung warten (wo alle schön einfach nur leben können, ohne identitäten und alles) und sich bis dahin zusammenreißen?

  19. Gravatar Icon 19 tee 21. Mai 2011 um 22:54 Uhr

    ich kopier‘ mal noch was von sookee, die sich in einem thread zu meinem beitrag bei facebook erklärt. sie kommuniziert dort allerdings nicht mit mir.

    das ist keine werbung, das ist die discographie in der ich einfach mal dazu stehe, dass ich mit krassen idioten gefeatured und selber mist erzählt habe! sowas nenne ich offenlegung von entwicklung, was spricht dagegen? da steht nirgendwo, dass diese jungs kool sind. hast du shon mal meinen vortrag gehört zu heterosexismus im rap?

    dazu will ich sagen, daß ich ja nicht die offenlegung an sich zweifelhaft fand (im gegenteil!), sondern die bewerbung der alben per direkten link zum jeweiligen amazon-angebot. dort wird der scheiss eben nachwievor verkauft. (bei der gelegenheit empfehle ich das einpflegen bei discogs, für vinyl übernehme ich das sehr gerne ;) )

    btw: die es gört-compilation fehlt noch auf der homepage. oh, und das schlagzeiln-album, das ich mir ohne das sookee-feature wohl nicht gekauft hätte.

  20. Gravatar Icon 20 tee 22. Mai 2011 um 1:07 Uhr

    patsy ist überall am werk, auch bei blogsport: http://patsy.blogsport.de/2011/05/22/zu-einer-unerwarteten-homo-und-transphoben-kritik-und-warum-das-video-zu-pro-homo-fantastisch-ist/

    ps: nachdem ich die hälfte gelesen habe, breche ich ab. bei soviel willen zum missverstehen und ignorieren der hier angebrachten argumente erscheint mir eine diskussion als nicht sinnvoll. nur soviel zur klarstellung: weil mir die klischeehafte darstellung nicht gefällt, will ich mitnichten irgendwem das tuntendasein verbieten. und auch niemanden „abwerten“. TZE.

  21. Gravatar Icon 21 rhizom 22. Mai 2011 um 1:43 Uhr

    Schau mal, Delilah, Tunten sind keine Transen. Wo „!!!!“ schon mal den Begriff der Marginalisierung in den Raum geworfen hat, lässt sich vielleicht genau daran der Unterschied festmachen: Transen haben nicht die Wahl, im Alltag als Stino durchzugehen, sich am Wochenende ’ne Federboa überzuziehen und sich dabei subversiv vorzukommen. Transen sind die Leute, die keinen Job kriegen, weil sie sind, wie sie sind; die in vielen Ländern auf den Strich gehen müssen, um sich das Geld für ’ne Geschlechtsumwandlung anzusparen; und sich häufig nichts sehnlicher wünschen als ein heterosexuelles Eheglück. Das sind Marginalisierte. Tunten dagegen sind Leute, für die das Spiel mit den Geschlechtern mal ein Spaß, mal politisches Konzept ist.

    Ich kann dir gerne Fotos von mir im Fummel zeigen, wenn du das möchtest. Aus „Notwendigkeit“ haben wir das nie gemacht. Das war knallharte Überzeugung: wir sind die Avantgarde der Geschlechtersubversion, wir stoßen euch Stinos vor den Kopf, wir kitzeln eure Homophobie bis zum letzten Winkel aus euch heraus.

    In Wirklichkeit ist das eine Form „politischer“ Betätigung, die nur aus einer extrem privilegierten Position heraus funktioniert; erstens, weil man sich die Kontexte, in denen man das tut, selber aussuchen kann, um am nächsten Tag in eine „normale“, völlig unscheinbare Gender-Performance zurückzufallen; zweitens weil es einen individualisierten Lebensstil voraussetzt, der den diversen Kontrollinstanzen von Familie, Betrieb und Nachbarschaft (schon oder noch) weitgehend entzogen ist. „Queers“ sind typischerweise Studierende. Tatsächlich Marginalisierte können sich in der Regel nicht mal eine schwule Identität erlauben; von einer konfrontativen Politik à la Queer ganz zu schweigen.

    Wofür ich bin, das kann ich dir ganz genau beantworten: dafür, die Frage von Geschlechterkonstruktion und Marginalisierung von Trans*personen nicht zum Gegenstand von Komik und Abendunterhaltung zu machen und zweitens sie zumindest auf der kategorialen Ebene von der nach Homophobie und der Ausgrenzung gleichgeschlechtlicher Liebe aus den Lebensvollzügen der Mehrheitsgesellschaft zu unterscheiden. Erst vor dem Hintergrund einer kategorialen Trennung kann man sich die Frage stellen, wie sich diese Kategorien in der Realität überschneiden, ohne aufeinander reduzierbar zu sein.

    Politische Avantgarde-Theorien, wie sie die diversen Polittunten- und Queer-Zusammenhänge von den 70er Jahren bis heute formuliert haben, lehne ich aufgrund ihres klassistischen Charakters ab. Zu dieser Position zu gelangen, war für mich ein ähnlich langwieriger Prozess, wie ihn Sookee für sich reklamiert. Insofern hab ich überhaupt keinen Grund, arrogant zu sein. Und ich denke auch nicht, dass ich hier irgendwo ein „Bashing“ formuliert oder irgendwelche „Vorwürfe“ erhoben hätte. Das Engagement von Sookee find ich toll, auch wenn ich über der Frage, wie man Homophobie kritisiert, etwas anderer Ansicht bin. Ich würde ja auch nie einen „pro Ausländer statt no Ausländer“-Spot machen, sondern stattdessen thematisieren, wie hier Leute überhaupt zu „Ausländern“ gemacht werden. Das ist eine grundlegende Differenz.

  22. Gravatar Icon 22 tee 22. Mai 2011 um 1:57 Uhr

    Und ich denke auch nicht, dass ich hier irgendwo ein „Bashing“ formuliert oder irgendwelche „Vorwürfe“ erhoben hätte. Das Engagement von Sookee find ich toll, auch wenn ich über der Frage, wie man Homophobie kritisiert, etwas anderer Ansicht bin.

    dito.

  23. Gravatar Icon 23 !!! 22. Mai 2011 um 3:22 Uhr

    „will ich mitnichten irgendwem das tuntendasein verbieten. und auch niemanden „abwerten“. TZE.“

    --> zwischen wollen und machen ist dann doch manchmal ein gravierender unterschied. aber danke für deine konstruktive kritik nach der ausreichenden beschäftigung mit meinem text :D

  24. Gravatar Icon 24 !!! 22. Mai 2011 um 3:25 Uhr

    @rizhorn:
    schön, dass du dir die definitionsmacht zu eigen machst, wer eine tunte und wer eine transe ist und wer nicht. ganz schön paternalistisch, findest du nicht?

  25. Gravatar Icon 25 tee 22. Mai 2011 um 3:33 Uhr

    zwischen wollen und machen ist dann doch manchmal ein gravierender unterschied.

    da hab‘ ich ja was mit sookee gemein:

    dieser track will was bewegen.

    denk doch bitte mal drüber nach, ob viele sachen nur so bei dir ankommen. deine persönliche beziehung zum video bestärkt mein gefühl deiner voreingenommenheit ebenfalls. wenn du nämlich etwas als abwertend verstehen willst, dann ist es das deiner meinung nach auch. meiner meinung nach eben nicht.

    gut’s nächtle.

  26. Gravatar Icon 26 TAPETE 22. Mai 2011 um 9:57 Uhr

    @tee: Ich möchte dich darauf hinweisen, dass du in deinem Satz:“So bewirbt Sookee auf ihrer Homepage weiterhin Alben wie Konnektions…“ ebenfalls „Konnektions“ bewirbst und verlinkst! :d/

    Und jetzt habe ich das leider auch beworben. :((

    Tapete

    PS Zum inhaltlichen Ausgleich bewerbe und verlinke ich jetzt meine kostenfreie Musik: http://www.tapeteberlin.de/alben

  27. Gravatar Icon 27 delilah 22. Mai 2011 um 10:15 Uhr

    mann, tee.. doch. ich finds voll zum kotzen, was ihr da teilweise geschrieben habt (suckt, clowns, lern lesen, lauter so scheiß). solidarische kritik geht aber ma ganz anders.

    rhizom: du hattest doch weiter oben selbst von tunten, die dies und das internalisiert hätten und mit denen du deshalb cool bist und so geschrieben. was denn jetzt? transfrau gut, tunte schlecht oder nicht? und wo genau soll deiner meinung nach die demarkationslinie verlaufen?

    und warum sollen transpersonen nicht die wahl haben? (ich weiß hier wirklich nicht, was du meinst.) die könnten doch ihre bedürfnisse genauso unterdrücken, wie du das von den nur-tunten-nicht-transen verlangst. ach nein, denen sprichst du solche bedürfnisse ja ab, bei denen ist das knallhartes kalkül. das ist doch wirr alles. „!!!!“ schreibt doch, dass er_sie sich wohlfühlt in den klamotten, wieso nimmst du das nicht einfach mal ernst?

    dass ne praxis nur für privilegierte funktioniert, macht sie doch noch nicht verkehrt. wie ich das mitbekommen habe, wird in so kreisen gerade von privilegierten verlangt, dass sie sich einsetzen. und dass sie dadurch zur heteronormalisierung beitragen sollen, glaub ich einfach nicht. ich kenne deine zahl mit den jungs, die kaum mehr gleichgeschlechtliche erfahrungen machen, aber das ist für mich nur eine korrelation. mit der gleichen logik könnte man hijab-tragende muslimas für antimuslimischen rassismus verantwortlich machen – die könnten das ja auch „lassen“ und nicht so „anders“ sein. da wärste dann aber politisch definitiv beim bürger angekommen.

    dass homophobie nicht das gleiche ist wie transphobie, scheint mir logisch. wer bestreitet das denn?

  28. Gravatar Icon 28 rhizom 22. Mai 2011 um 12:43 Uhr

    Ich verlange von Tunten überhaupt nichts. Ich frage mich nur, warum das Video „pro Homo“ heißt, dann aber hauptsächlich nicht-konforme Gender-Praktiken thematisiert. Da liegt doch irgendwo eine Verwechslung vor. Oder willst du mir allen Ernstes erklären, dass nur „Homos“ Geschlecht verwirbeln können? Aber das ist ja genau der Punkt: es werden Trans-Praktiken dazu missbraucht, um gleichgeschlechtliches Begehren zu performieren – und umgekehrt. Das ist die doppelte Einhegung, von der ich sprach: Gender-Nonkonformität wird auf „Homosexualität“, Homosexualität auf Gender-Nonkonformität heruntergebrochen, so dass beides seiner universellen Dimension beraubt und in eine „queere“ Identität eingeschlossen wird.

    Und darum geht’s mir eigentlich: dass ich eine Kritik an Homophobie von einer identitären Position aus für paradox halte, insofern diese Identitäten gerade die Setzungen einer homophob konstituierten Mehrheitsgesellschaft sind, weshalb „der unkritische Appell“ an solche Identitäten für emanzipatorische Zwecke „offensichtlich widersprüchlich und unsinnig“ ist (Judith Butler, die das eigentlich über „Frauen“-Emanzipation sagt; aber ich finde, das lässt sich gut übertragen).

    So, und jetzt mach ich mal was Konstruktives und verlinke auf ein Video, das ich für eine geniale Auseinandersetzung mit Homophobie bzw. Heteronormativität halte: http://youtu.be/iQi6NymyZoM

    Dieses Video empfinde ich deshalb als so gelungen, weil es nicht darum geht, den Respekt vor „Identitäten“ einzufordern, sondern die normativen Strukturen aufzuzeigen, die der Ausgrenzung gleichgeschlechtlichen Begehrens aus den Lebensentwürfen der Mehrheitsgesellschaft – und damit der Produktion von „Homosexualität“ als einer devianten Identität und Lebensweise – zugrundeliegen.

    Es geht eben nicht darum, „sich selbst zu feiern“, sondern um eine Kritik an den Sortierungsprozessen dieser Gesellschaft; nicht um queeres Community Management, sondern um antiheteronormative Gesellschaftskritik.

    Und zuletzt bin ich mal ganz böse und verlinke einen Text des GSP, den ich zwar nicht in allem teile, der aber den Finger in die richtige Wunde hält, „Vom Elend der und mit den Homos“:

    Das peinliche Benehmen, das viele Homosexuelle an den Tag legen und das dich – weil du dich ihnen zurechnest? – so stört, war einmal eine falsche Antwort auf ihre gesellschaftliche Diskriminierung und ist mittlerweile nicht mehr als ein Stück handelsüblicher Psychokultur.

    Zur Vergangenheit: Ihre Kriminalisierung und allgemeine Ächtung hat die Masse der Homosexuellen dazu getrieben, ihren Neigungen heimlich nachzugehen. Das hat nicht wenige zermürbt. Manche haben selber Zweifel an ihrer „Normalität“ bekommen und sich selbst als „pervers“ verurteilt, andere ihre Ausgrenzung nicht mehr ausgehalten und mit ihrem Selbstmord gemeint, die böse Gesellschaft ins Unrecht zu setzen. Viele Betroffene, die selbstbewusstere Minderheit wahrscheinlich, haben dagegen ihre Ausgrenzung mit absichtsvoller eigener Abgrenzung, die ihnen angetane Verachtung mit eigener Verachtung der „Normalos“ beantwortet und diese ohnmächtige Gegenwehr als Subkultur gepflegt […]. Mehr als ihre Diskriminierung haben die Anhänger dieser Schwulen-“Bewegung” dem bürgerlichen Gemeinwesen allerdings auch nie vorzuwerfen gehabt. […] Stattdessen haben sie genau umgekehrt das bisschen Genuss am gleichen Geschlecht eher noch mehr in den Mittelpunkt ihres Denkens und Trachtens gerückt als die Heteros den am andern; sie haben sich mit ihrer – doch eher marginalen – „Abweichung“ genau so oder noch viel hundertprozentiger identifiziert als der Staat, der sie mit seinen Gesetzen darunter subsumiert hat. Und sie haben darauf gedrungen, auf ihre „Identität“ genau so viel „angeborenes“ Recht zu haben und genau so stolz sein zu dürfen wie die Gemischtgeschlechtlichen auf ihr „langweiliges“ Keimzellen-Dasein.

    Mit dieser bescheidenen Zielsetzung haben die „bewegten” Homos mittlerweile Erfolg. […] Und parallel dazu – womit wir in der Gegenwart wären – erwirbt ihre „Sub-“ sich Anerkennung als Bestandteil der „Kultur“ des Mainstream.

    Das ist sehr gerecht, spricht aber weder für die „Sub-” noch für die „Kultur”. Was da abgeht, ist nämlich die – von sexuellen Vorlieben völlig unabhängige! – Zurschaustellung dessen, was stinknormale bürgerliche Individuen für ein besonders auszeichnendes Merkmal, genauer gesagt: für eine ziemlich großartige Leistung halten, für die der Rest der Welt ihnen Bewunderung schuldet. Das muss schon längst nicht mehr ein moralischer Knaller sein, eine Heldentat im Dienst am Vaterland oder dergleichen. Der psychologisch gebildete moderne Mensch hat gelernt, dass man sich mit jedem Fimmel sehen lassen kann, wenn nur die Souveränität, mit der man ihn vor sich her trägt, Eindruck macht; und die ersehnte öffentliche Anerkennung darf sich gerne auch aus Faszination und Grauen zusammensetzen. Deswegen geht es in all den verschiedenen und doch allesamt so zum Verwechseln gleichartig gestrickten „Szenen“ um demonstrative „Selbstverwirklichung“: die angeberische Präsentation eines mehr oder weniger methodisch fingierten „Selbst“, das weit erhaben ist über die wirkliche Alltagsexistenz unter den „Sachzwängen” des kapitalistischen Erwerbslebens und der demokratischen Linientreue. Es geht den Beteiligten darum, in einer Welt, in der sie materiell kaum zum Zuge kommen, auf sich aufmerksam zu machen; nämlich darauf, was für einen tollen Hecht die liebe Mitwelt da eigentlich vor sich hat. Merkt sie das nicht und helfen auch immer grellere Formen der Selbstdarstellung nicht weiter, so kann ein bürgerliches Individuum darüber glatt in Verzweiflung geraten. In diesem Treiben, dessen ärgste Sumpfblüten mittlerweile nachmittäglich auf mehreren Fernsehkanälen zu besichtigen sind, spielt die sexuelle Potenz in diversen extravaganten Ausprägungen eine ziemlich bedeutende Rolle – auch dies, nebenbei, ein Abfallprodukt der ehrenwerten „family values“! –; nicht einmal das brauchten Schwule und Lesben erst zu erfinden, um es dann als ihr besonderes Markenzeichen „einzubringen“. Genau darauf sind etliche aber mit Wonne eingestiegen; diejenigen insbesondere, und das sind sicherlich die meisten, die ihre sexuelle Vorliebe ohnehin schon zu ihrem Hauptlebensinhalt gemacht und zu dem „Selbst“ heraufstilisiert haben, das sie schon immer unbedingt „verwirklichen“ wollten. Da pflegt dann mancher in der Absicht, seine biedere Umgebung zu „schockieren“, eine Absonderlichkeit, die die eigene Person aus der grauen Masse herausheben soll – und merkt noch nicht einmal, dass diese gesamte Masse auf ihre Weise und anderen Wegen mit haargenau demselben Drang unterwegs ist.

    Wie gesagt, ich teile nicht alles, was in dem Text steht, finde ihn aber einen wichtigen Denkanstoß.

  29. Gravatar Icon 29 ronia 22. Mai 2011 um 12:44 Uhr

    Ihr habt die femmes vergessen. Es geht, und das laesst sich am Beispiel von femme naemlich besser zeigen, bei den Entwuerfen und Selbstdefinitionen naemlich nicht um eigenmotivierte Abgrenzung, sondern um die von der Mehrheit betriebene Ausgrenzung – und den Trotz des dennoch darin abgerungenen Ueberlebens. Und der Legitimitaet von Freude im Angesicht und *trotz* der Gesamtscheisse.
    Was stoert Euch nun an Performance? Dass sie ernst gemeint ist, oder dass sie nicht ernst gemeint ist? Zwischen beidem wird hier lustig rum-alterniert.

    Und dann auch noch Leuten vorgeworfen, dass sie noch nicht genug verelendet sind? Hallo?

    Ausserdem habe ich ganz stark das Gefuehl, dass trans* von einigen als ausschliesslich transsexuell, von anderen als umfassender und diverser Begriff von transgender gelesen wird.

    Auch wenn ich das vermeintliche Privileg geniesse, als femme im Alltag zur „normalen heterosexuellen Frau“ gestempelt zu werden, heisst das noch lange nicht, dass mich das nicht sehr stoert oder dass ich deswegen nicht solidarisch mit Menschen sein kann, deren Performanz und Lust und Beduerfnis auf sich-selbst-sein-koennen und sich-ausprobieren-koennen aus der binaeren heteronormativen Geschlechtermatrix rausfaellt.

    Der Text ist einem Genre zugehoerig, und im Hip Hop gibt es nunmal ein Verstaendnis von „no homo“, das „pro homo“ aufzubrechen versucht, mit durchaus differenzierendem Text. Auch hier wird wieder nach Belieben alterniert zwischen „zu differenzierend – Sookee meint es nicht so“ und „zu wenig differenzierend – Sookee benutzt nur Klischees“. Ich finde das aergerlich und es fuehrt vom Kontext weg.

    Ich finde den Text beim Hoeren ganz schoen laut und hart vorgetragen, und finde das Video macht einen schoenen Bruch damit. Es steht Euch nicht zu, ueber die dort auftretenden Leute und ihren Alltag rumzumeinen. Uebrigens, auch lustig, zu den anderen Darstellern in den verschiedenen Wohnzimmern habe ich hier noch nichts gelesen. Die Heteronormativitaet ist also voellig richtig dargestellt worden? Und die Darsteller meinen das auch in echt so?

  30. Gravatar Icon 30 bigmouth 22. Mai 2011 um 12:59 Uhr

    „Die Heteronormativitaet ist also voellig richtig dargestellt worden? Und die Darsteller meinen das auch in echt so?“

    das ist mir beim ersten gucken insbesondere negativ aufgefallen: homophobe normalos sind also entweder krasse spießer oder komische prolls. ich finde, da sabotiert die darstellungsebene fast schon den text – da kann ich keinen „schönen bruch“ erkennen. visuell erschöpft sich das völlig in klischees – und mit denen wird nicht gespielt

  31. Gravatar Icon 31 patsy - !!!! 22. Mai 2011 um 13:19 Uhr

    @brennessel: ich habde diesen eintrag nun verlinkt, da du ihn in der kommentarspalte selbst verlinkt hattest. ich hoffe das ist in ordnung!

  32. Gravatar Icon 32 tee 22. Mai 2011 um 13:21 Uhr

    nehm‘ ich in kauf, tapete. 8-| danke für die musik. und presst platten!

    delilah: sorry, aber ich hab‘ nun echt nicht erwartet, daß mein „suckt so langsam“-spruch missverstanden werden kann. das ist ein schlichter ausdruck von nerven. apropos: das „lern lesen“ wiederum war natürlich keine solidarische kritik an patsy, die uns gleichmal homo- und transphobie unterstellt.

    ps: klar ist das in ordnung, patsy. quellenangaben sind immer gut.

  33. Gravatar Icon 33 rhizom 22. Mai 2011 um 13:36 Uhr

    Also, diese Perspektive auf Identitäten als unbedingt anzuerkennende teile ich nicht. Identitäten sind die Innervationen gesellschaftlicher Herrschaftsverhältnisse (siehe Michel Foucault vs. Lady Gaga). Und wenn ich so drauf wäre, dann müsste ich auch fragen, warum Spießer und Prolls in ihrer Identität nicht respektiert werden. Ja, ist doch klar: weil man Leute zum kritischen Nachdenken über die sie konstituierenden Macht- und Identitätsregime bringen will!

  34. Gravatar Icon 34 tee 22. Mai 2011 um 13:44 Uhr

    ja, die gemeinsamkeiten und gemeinsamen ursachen für (sexuelle) identitäten bei heten wie homos werden leider viel zu selten betrachtet. dabei sind diese ursachen (nicht die homo-identitäten, wie das hier missverstanden wurde!) konstituierend für homophobie und heterosexismus. die unterschiede aufzuzeigen, um die sexuelle diversität als normal darzustellen, reicht aber nicht, um der heteronormativität das wasser abzugraben. denn das wasser sind die geschlechter, nicht deren sexuelle präferenzen.

  35. Gravatar Icon 35 patsy - !!!! 22. Mai 2011 um 13:52 Uhr

    „Und wenn ich so drauf wäre, dann müsste ich auch fragen, warum Spießer und Prolls in ihrer Identität nicht respektiert werden.“
    --> Wenn es zuvor bereits um Klassismus ging, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass der Begriff „Proll“ ein klassistisch diskriminierender ist und hier auch nur als solcher verwandt wird.
    In meinen Augen legst du hier das Problem deiner Erörterungen offen: Du gehst davon aus, dass es ohne Homosexuelle keine Homophobie gibt, verbindest das aber nicht mit einer Kritik an Homophobie, sondern kritisierst Menschen, die sich gegen diese Homophobie richten. Allerdings hatte ich das bereits mehrmals geschrieben und wiederholte Male in meinem Blogeintrag.

  36. Gravatar Icon 36 Michi 22. Mai 2011 um 14:10 Uhr

    „Du gehst davon aus, dass es ohne Homosexuelle keine Homophobie gibt, verbindest das aber nicht mit einer Kritik an Homophobie, …“

    Willst du Rhizom nicht verstehen oder fehlt dir die sexualitätsgeschichtliche Grundlage, um seine/ihre Einwände lesen zu können?

    In bestimmten historisch spezifischen Herstellungsweisen dessen, was wir heute als „Sexualität“ wie auch „Geschlecht“ bezeichnen und leben und die bis heute bestimmen was/wann/wen/wen nicht… wir als „Homo“ oder als „Hete“, als „tuntig“ oder „gendernormativ“, als „weiblich“ oder „männlich“ lesen, liegt das Problem, das rhizom und einige andere hier thematisiert sehen wollen. Und nicht darin „nur“ Ergänzungen/Widersprüche zur aktuellen Geschlechter- und Sexualitäten-Ordnung aufzumachen.

    Rhizom sagt nirgends, dass es ohne individuelle Homos keine Homophobie gäbe, – geschweige denn, dass einzelne Homos an Homophobie selber schuld wären. Was er/sie sagt, ist, dass ohne ein ganz bestimmtes Konzept von Sexualität/Geschlecht , das noch gar nicht so alt ist, Homophobie in der Form wie wir sie kennen nicht existieren würde und dass wir uns dagegen nicht erfolgreich mit „alles so schön queer hier“-Identitätspolitiken wehren können.

  37. Gravatar Icon 37 Patsy 22. Mai 2011 um 15:11 Uhr

    @michi:
    es kann gut sein, dass ich in rhizom in teilen einfach nicht verstehe.
    ich würde es auch als fraglich bezeichnen, ob das, was du als „sexualitätsgeschichtliche Grundlage“ setzt, so unglaublich wissensnotwendig ist.

    „Was er/sie sagt, ist, dass ohne ein ganz bestimmtes Konzept von Sexualität/Geschlecht , das noch gar nicht so alt ist, Homophobie in der Form wie wir sie kennen nicht existieren würde und dass wir uns dagegen nicht erfolgreich mit „alles so schön queer hier“-Identitätspolitiken wehren können.“

    --> in meinen augen ist es schon wichtig, das zu thematisieren. allerdings innerhalb eines akademischen rahmens oder in auseinandersetzungen, die sich nicht um konkrete diskriminierungen von personen drehen. denn dann geschieht genau das, was ich versuche zu beschreiben: durch den schwerpunkt darauf, warum es homophobie überhaupt gibt, wird der umstand verwischt, -dass- es sie gibt und dass konkrete personen ganz konkret und alltagsweltlich darunter leiden. und das dann in einem zusammenhang zu lesen mit dem vorwurf von zu wenig authentizität und von solchen normierten herangehensweisen an trans*identitäten … sorry aber das sind verletzende reden, bei denen wird mir einfach nur schlecht.

  38. Gravatar Icon 38 Patsy 22. Mai 2011 um 15:13 Uhr

    und hier noch als ergänzung aus meinem blog:

    Was daran transphob ist, wurde dir auf dem Brennessel-Blog doch schon dargelegt, das scheint aber offensichtlich nicht von Belang zu sein :)
    Deine Darstellungen sind sehr normativ, gehen davon aus, dass sich Gruppen von Individuen immer gleich verhalten. Im Sinne von: Die Tunten sind so, Die Transen sind so, Die Schwulenbewegung ist so und so, ….
    So einfach ist das Ganze allerdings nicht. Und insofern habe ich darauf schon in meinem Blogtext geantwortet, nur mit Bezug auf einen anderen transphoben Kommentar von dir:
    „Hier muss die Frage erlaubt sein: Mit welcher Berechtigung werden Personen als „nicht echt“ oder nicht genug authentisch in ihrer Geschlechtlichkeit bezeichnet? In meinen Augen handelt es sich hier um ein eindeutig transphobes Moment. Das Problem liegt dabei wohl eher in der Person, die einer anderen unterstellt, ihr Auftreten sei eine Imitation, sie sei nicht authentisch genug; so authentisch wie sie selbst etwa gerne sein würde? Ab wann ist man eine echte Tunte, eine echte Trans*Person, ein echter Schwuler? Nur dann, wenn man einer bestimmten normierten Identitätsform oder einem bestimmten normierten Aussehen jeden Tag, immer, in jeder Situation und in jedem Kontext entspricht? Ich denke doch nicht, zumal ich die Frage nach Authentizität anmaßend und ganz allgemein unangebracht finde.
    In Bezug auf den Vorwurf der Imitation möchte ich als Tunte sagen: Eine Tunte ist eine Tunte ist eine Tunte ist eine Tunte. Und sie ist keine Imitation in Form einer hier imaginierten unechten Kopie! Ohne zu moralisch zu werden, möchte ich noch behaupten, dass die Erfahrung, im öffentlichen Raum mit TransPhobie konfrontiert zu werden, den Blickwinkel mit formt und die Behauptung, hier würde nur ein „Spielen mit Klischees“ vorliegen, als recht verkürzt daherkommen lässt, da offensichtlich eine Verwirrung angenommener heteronormativer Ordnungen vorliegt, die eben kein Spiel mehr ist, wenn es darum geht, dass man sich nicht anpassen kann/will und dadurch einer ganz konkreten Gefahr ausgesetzt ist.“

    Die Ansicht, Tunten seien bloße Abendunterhaltung, normiert auf eine transphobe Weise, da sie ganz konkret Menschen eine bestimmte Identität unterstellt und ihnen eine Selbstbestimmung abspricht. Selbstverständlich gibt es Tunten, die sich transphob geäußert haben, selbstverständlich gibt es Trans*Personen, die homophob sind und selbstverständlich ist die politische Schwulenbewegung der 70er Jahre nicht das non-plus-ultra. Und dennoch ist es etwas zu einfach gemacht, wenn eigene Widerstände gegen das selbstbewusste Ausleben von Identitätsformen dadurch ausgelebt werden, aburteilen zu wollen – und das hast du nun mehrmals in Form von verletzenden normierenden Reden gemacht – dass es doch viel wichtiger ist, diese Identitäten von sich werfen zu wollen und nicht zu verfestigen. Aber nochmal: solange es menschen gibt, die aufgrund von homophobie gewalterfahrungen machen müssen, ist es enorm wichtig, homophobie als solche zu benennen und solange schwule, lesben und trans*personen als solche diskriminiert werden, ist ein empowerment durch eben diese personen unabdingbar. was man so in akademischen zirkeln für den rest der welt unvermittelbar produziert ist nochma ne andere sache. aber die idee, dass homosexualität ein bloßes konstrukt ist, das da ist, um homophobie überhaup aufrecht zu erhalten, dreht den konflikt in eine richtung, die sich wiederum gegen marginalisierte personen richtet und homophobie eine berechtigung einräumt.

    Es ist manchmal sinnvoll, eine Kritik einfach anzunehmen, vor allen Dingen wenn es um verletzende Reden geht. Zu behaupten, alle Tunten seien bloß zur Abendunterhaltung da, würden bloß imitieren und ihr Auftreten sei ein billiger Abklatsch „echter“ Frauen; zu behaupten, alle Trans*Personen seien traurige Gestalten, die sich eine „Geschlechtsumwandlung“ (dich zitiert) – also eigentlich geschlechtsangleichende Operationen – wünschen und darunter leiden; zu behaupten, Schwule und Lesben würden durch ihre Selbstdarstellung erst dazu führen, dass es Homophobie gibt ohne sich dabei kritisch gegenüber Homophobie zu stellen, sondern sich kritisch gegenüber marginalisierten Schwulen und Lesben zu stellen; dies alles setze ich unter verletzender, diskriminierender Rede und genau darum ist es homo- und transphob, was ich bislang von dir zu lesen bekam.

    Leider lesen wie immer mehr Leute, als dass sie schreiben, und geben mündlich Feedback. Ihr seid aufgerufen, mitzudiskutieren und wenn es nur ein Satz ist ;)

  39. Gravatar Icon 39 earendil 22. Mai 2011 um 15:31 Uhr

    Das Problem haben doch alle marginalisierten Gruppen: Die schlechte Wahl zwischen Anpassung und Abgrenzung. Bei ersterem bleiben die Marginalisierten unsichtbar, versuchen, sich der dominanten Norm anzugleichen, und bestätigen sie damit. Bei letzterem, drüben bei Patsy unkritisch als „Empowerment“ abgefeiert, machen sie sich als Abweichung von der Norm sichtbar – und bestätigen sie damit ebenfalls. Ich glaube, es gibt letztlich für Marginalisierte keinen performativen Weg, um die Norm zu durchbrechen.

    Die Verbindung Lesbe-Dyke und Schwuler-Tunte, wie sie im Video gebraucht wird, um LBGT-Menschen zu zeigen, ist sowohl Produkt als auch Bestätigung des heteronormativ-homophoben Konzepts von Homosexuellen als unweibliche Frauen bzw. unmännliche Männer. Subversiv ist an solchen Performanzen rein gar nichts. Subversiv wären vielleicht noch „Hetero-Tunten“ (Emos?), andererseits krempeln auch Femmes oder Gayskins nicht die Normen um…

    mit der gleichen logik könnte man hijab-tragende muslimas für antimuslimischen rassismus verantwortlich machen

    Gutes Beispiel! Wenn Hijab-Tragen als subversive Performance, als „Empowerment“ gegen antimuslimischen Rassismus gesehen werden, kann man das sehr wohl kritisieren. Man macht auch keine „Pro-Muslim“-Videos oder so, sondern kritisiert und bekämpft Rassismus.

    Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Wer halt gerne Fummel oder Kurzhaarschnitte trägt, soll das um Gottes Willen auch machen (können); es ist völlig berechtigt, die – gerade auch in Schwulenkreisen weit verbreitete – Tunten- und Transfeindlichkeit zu kritisieren; und niemand hier gibt Tunten die Schuld an Homophobie (oder Hijabträgerinnen an antimuslimischem Rassismus).

  40. Gravatar Icon 40 tee 22. Mai 2011 um 15:43 Uhr

    denn dann geschieht genau das, was ich versuche zu beschreiben: durch den schwerpunkt darauf, warum es homophobie überhaupt gibt, wird der umstand verwischt, -dass- es sie gibt und dass konkrete personen ganz konkret und alltagsweltlich darunter leiden.

    die beschäftigung der ursachen von homophobie verwischen doch nicht dem umstand, daß es sie gibt! du forderst eine rein akademische beschäftigung mit den ursachen und dort, wo homophobie grassiert, sollen die ursachen besser nicht thematisiert werden?! GERADE dort!
    komischerweise widersprichst du dir selbst:

    in meinen augen ist es schon wichtig, das zu thematisieren. allerdings […] in auseinandersetzungen, die sich nicht um konkrete diskriminierungen von personen drehen.

    also doch auch hier! ich bin mir nämlich keiner schuld bewusst, hier irgendwie homophobe umstände verwischt zu haben.

  41. Gravatar Icon 41 tee 22. Mai 2011 um 15:48 Uhr

    Subversiv wären vielleicht noch „Hetero-Tunten“ (Emos?), andererseits krempeln auch Femmes oder Gayskins nicht die Normen um…

    eben. normen (bzw. ihre grundlagen) gehören ja auch nicht umgekrempelt, sondern zerstört. vom auf-links-drehen wird das heteronormative korsett nämlich nicht aufgeköpft, um nochmal ein bild zu bemühen ;)

  42. Gravatar Icon 42 earendil 22. Mai 2011 um 15:58 Uhr

    @Patsy (Zitate teils aus deinem Blogeintrag):

    Diese Forderung, die beispielsweise auch gegenüber CSDs immer wieder vor allen Dingen von ich sage mal böse anpassungswilligen Schwulen und Lesben geäußert wird, die Paraden sollen doch bitte nicht so schrill und so laut sein und doch auch mal die „ganz normalen“ Schwulen und Lesben zeigen, stellt in meinen Augen den Wunsch dar, im Grunde „normal“ wie die Heten, unsichtbar und am Ende nicht mehr schwul und lesbisch zu sein.

    Bingo! Ich wünsche mir nichts mehr, als endlich nicht mehr „schwul“ zu sein, im Sinne von: Ich will lieben und begehren wen und wie ich will, ohne als Schwuler einer devianten, im besten Falle tolerierten Minderheit zugeordnet zu werden!

    Von der Vorstellung der Imitation kann außerdem nur ausgehen, wer auf der Idee von zwei und ausschließlich zwei Geschlechtern beharrt. Erst nach dieser Annahme ist es möglich, davon zu sprechen, eine Tunte würde grundsätzlich eine Frau kopieren.

    Sowas ähnliches kommt bei dir mehrmals und ist ziemlich schäbig. Nach der Logik teilt jede_r, die_der von der Realität heterosexistischer Normen spricht, den Inhalt dieser Normen. Aber es ist nunmal völlig egal, was du, Rhizom, Tee oder ich darin sehen: Die allermeisten Menschen in dieser Gesellschaft, die ganz selbstverständlich von ausschließlich zwei Geschlechtern ausgehen, sehen tuntiges Outfit und Verhalten nunmal als „weibisch“ an.

    ich würde es auch als fraglich bezeichnen, ob das, was du als „sexualitätsgeschichtliche Grundlage“ setzt, so unglaublich wissensnotwendig ist.

    Ich schon. Denn solange man Hetero- und Homosexualität naturalisiert, kann man ja gar nicht auf die Idee kommen, dass deine „Empowerment“ betitelte positive Übernahme homophober Klischees vielleicht die falsche Strategie im Kampf gegen Homophobie ist!

  43. Gravatar Icon 43 earendil 22. Mai 2011 um 16:04 Uhr

    normen (bzw. ihre grundlagen) gehören ja auch nicht umgekrempelt, sondern zerstört.

    Mit „umkrempeln“ meinte ich schon „zerstören“, nicht „Vorzeichen umkehren“, du Spitzfinder. ;)

  44. Gravatar Icon 44 tee 22. Mai 2011 um 16:05 Uhr

    huch, stimmt. passte halt so schön, das musste ich ausnutzen :-"

  45. Gravatar Icon 45 Patsy 22. Mai 2011 um 16:05 Uhr

    Du meinst also, dass selbstbewusst als Schwuler aufzutreten die bloße Übernahme homophober Klischees ist? Interessanter Ansatz :)
    Die Wortwahl „schäbig“ würd ich nochmal überdenken.

  46. Gravatar Icon 46 tee 22. Mai 2011 um 18:36 Uhr

    patsy, wie sieht das denn überhaupt aus, „selbstbewusst als schwuler aufzutreten“?

    dazu muss ja nicht diese art von gebastelter identität gehören, die aus mehr als der sexuellen präferenz besteht und nach außen hin auffällig („anders“!) gestaltet ist*. ich verstehe unter selbstbewusstem auftreten in diesem kontext erstmal das ausleben sexueller präferenzen in der öffentlichkeit, küssen, händchenhalten, was menschen halt so tun. und das ist ja auch die „konkret und alltagsweltlich“ homophob angegriffene lebensrealität von (augenscheinlich gleichgeschlechtlichen) menschen, die öffentlich zärtlichkeiten austauschen.
    ich glaube durchaus, daß die rapfans, die mit „pro homo“ angesprochen werden sollen (also die „no homo“-sager), von „normal“ aussehenden schwulen und lesben weitaus irritierter und zum nachdenken angeregter würden, als von „bärtigen tunten und offensichtlichen kurzhaarlesben“, die ihr klischee vom „anderen“ und so ihrer eigenen normalität bestätigen. weshalb ich auch diese begriffe verwende, um das deutlich zu machen, nicht um jemanden abzuwerten.

    so, jetzt guck‘ ich gleich lindenstraße, die die deutsche „pro homo“-bewegung ja maßgeblich mitgestaltet hat. ;)

    *dazu würde mich ein wenig mehr historie bspw. der tuntenbewegung schon interessieren. denn ich glaube – rhizom hat’s angerissen, du dann verrissen – daß an der these, daß tunten einem frauenbild nacheifern, ja nun geschichtlich durchaus einiges dran ist. daß du dich regelmäßig „auffummelst“, kommt genauso wenig von ungefähr oder ist dir angeboren, wie daß mein nachbar, der dachdecker, holzfällerhemden trägt.

  47. Gravatar Icon 47 Patsy 22. Mai 2011 um 19:36 Uhr

    irgendwie erstaunlich, wie hier mit ressentiments um sich geworfen werden darf und dabei gegenseitig auch noch bejubelt wird. bei anderen formen von diskriminierung wäre sicher schon die hölle los.

    niemand kann für sich in anspruch nehmen zu definieren, was „alle“ tunten historisch machen, was alle tunten sind, wie alle tunten drauf sind.
    das gleiche gilt für trans*personen sowie schwule und lesben.

    „weshalb ich auch diese begriffe verwende, um das deutlich zu machen, nicht um jemanden abzuwerten.“
    --> na selbstverständlich hast du abgewertet und wertest hier ganz konkret personen ab.
    eben durch „die ihr klischee vom „anderen“ und so ihrer eigenen normalität bestätigen.“ aus einer dominanten perspektive ist so etwas vielleicht schwer einzusehen.

    „daß du dich regelmäßig „auffummelst“, kommt genauso wenig von ungefähr oder ist dir angeboren, wie daß mein nachbar, der dachdecker, holzfällerhemden trägt.“
    -> ich wüsste auch nicht, dass ich behauptet hätte, damit geboren worden zu sein?! aber wenn ich mich darin wohlfühle und im alltag diskriminierung erfahre ist es doch noch etwas anderes als meinen nachbar im holfällerhemd zu betrachten.

    „von „normal“ aussehenden schwulen und lesben weitaus irritierter und zum nachdenken angeregter würden“
    --> nun wertest du schon wieder. warum gibt es bei den meisten, die hier geschrieben haben, nur ein entweder oder? man kann es nur so sehen oder aber so und es liegt keine möglichkeit dazwischen, sich mit dem, was jemand anderes dazu gesgat hat, auseinanderzusetzen. ich glaube weder, dass eine tunte grundsätzlich und immer mehr irritiert, noch, dass ein von dir bezeichnenderweise als „normal“ bezeichneter schwuler mehr irritiert. es ist einfach kontext-, situations- und personenabhängig. das problem liegt doch genau darin, eine selbstdarstellung als möglichen akt von empowerment, subversion, infragestellung anzuzweifeln. und das geschieht hier andauernd.

  48. Gravatar Icon 48 Michi 22. Mai 2011 um 20:13 Uhr

    „bei anderen formen von diskriminierung wäre sicher schon die hölle los.“
    Ich glaube nicht, dass hier Opression Olympics irgendwie die Diskussion voranbringen können.

    „das problem liegt doch genau darin, eine selbstdarstellung als möglichen akt von empowerment, subversion, infragestellung anzuzweifeln.“

    Wo genau liegt da das Problem? Sollen wir als nächstes Rudolf Guliani oder Günter Beckstein ohne weiter rumzudiskutieren als here Held_innen-Gestalten der Geschlechterdekonstruktion und Infragestellung heteronormativer Ordnungen abfeiern, nur weil die auch – immer wieder übrigens – Drag tragen und das vielleicht sogar ein bisschen subversiv finden?
    Nicht jede – im hegemonialen Diskurs als ‚annormal‘ lesbare Geschlechterperformanz ist automatisch subversiv oder empowernd (für irgendjem. anderen als vielleicht die performende Person selber…).

    „niemand kann für sich in anspruch nehmen zu definieren, was „alle“ tunten historisch machen, was alle tunten sind, wie alle tunten drauf sind.“

    Ich glaube, das ist genau der Punkt den ich vorhin mit „sexualitätsgeschichtlichen Grundlagen“ meinte und wo es hier gerade zu Mißverständnissen kommt: Es geht hier nicht nur um individuelle, einzelne Tunten, sondern immer auch um die (kulturell/historisch spezifische) Diskurs-Figur „der Tunte“ etc und die hat nunmal nicht nur eine Gegenwart, sondern auch eine Geschichte und diese Geschichte verschwindet nicht, nur weil man sich vielleicht aktuell für individuell und einzigartig hält…

  49. Gravatar Icon 49 tee 22. Mai 2011 um 20:24 Uhr

    niemand kann für sich in anspruch nehmen zu definieren, was „alle“ tunten historisch machen, was alle tunten sind, wie alle tunten drauf sind.

    lies doch bitte mal, was ich schreibe! ich schrieb nicht „alle“! das ist jetzt nicht das erste mal, daß du was hinzudichtest, bitte lass das!

    und was für eine „dominante perspektive“ meinst du?

    ich wüsste auch nicht, dass ich behauptet hätte, damit geboren worden zu sein?!

    sorry, das hab‘ ich vom „gaga-link“ und deinem „sein“ übernommen:

    […] sondern sich selbst zu feiern, genau so wie man ist […]

    … und wollte damit nur sagen, daß niemand einfach so irgendwie „ist“, sondern immer ein kulturelles produkt, für das es ursachen und gründe gibt.

    warum gibt es bei den meisten, die hier geschrieben haben, nur ein entweder oder? man kann es nur so sehen oder aber so und es liegt keine möglichkeit dazwischen, sich mit dem, was jemand anderes dazu gesgat hat, auseinanderzusetzen.

    grml. ich schrieb:

    weitaus irritierter und zum nachdenken angeregter

    das impliziert meiner meinung nach schon ziemlich deutlich eine entwicklung. und wenn das (ab)wertend ist – dann kann ich meine meinung scheinbar gar nicht darlegen, ohne als homo- und transphober täter hingestellt zu werden.

    das problem liegt doch genau darin, eine selbstdarstellung als möglichen akt von empowerment, subversion, infragestellung anzuzweifeln. und das geschieht hier andauernd.

    hier wird angezweifelt, daß bspw. dein euphemismus „empowerment“ eine subversive oder anders wirksame waffe in kampf gegen homophobie ist! wieso liegt darin ein problem, daß sich leute gedanken über die bestmögliche strategie gegen homophobie machen? darf man einfach nichts anzweifeln oder kritisieren, was z.b. schwule machen? warum liegt DARIN ein problem?

  50. Gravatar Icon 50 Patsy 22. Mai 2011 um 20:24 Uhr

    „Ich glaube nicht, das hier Opression Olympics irgendwie die Diskussion voranbringen können.“
    --> Das denke ich auch und genau darauf zielt mein Kommentar ab. Dass nämlich bestimmte Diskriminierungsformen als schröcklicher bewertet werden als andere. Siehe rhizom, der davon ausgeht, dass Tunten -nicht- marginalisiert sind, aber „die Transen“ die echten Marginalisierten sind. Nur so als Beispiel. Also wenn du so eine Kritik äußerst, dann schau doch nochma in den Kommentaren der anderen nach, ob dort nicht wirklich so etwas wie Oppression Olympics betrieben wird.

    „Wo genau liegt da das Problem?“
    --> Das Problem liegt, wie bereits wirklich oft genug erwähnt, darin, dass hier Diskriminierungserfahrungen unterschlagen werden. Wie in den anderen nicht sehr geschickten Vergleichen hier nochmal: Guliani oder Beckstein werden wohl kaum als Tunten oder Trans*Personen Diskriminierungserfahrungen gemacht haben. Das ist der Unterschied.

    „Nicht jede – im hegemonialen Diskurs als ‚annormal‘ lesbare Geschlechterperformanz ist automatisch subversiv oder empowernd (für irgendjem. anderen als vielleicht die performende Person selber…).“
    --> Genau das sage ich ja. Nur ohne, dass ich gleichzeitig genau das Gegenteil behaupte und davon ausgehe, dass davon ausgegangen werden kann, dass Selbstdarstellungen -per se- nicht subversiv oder empowernd sein könnten. Meine Güte…

  51. Gravatar Icon 51 rhizom 22. Mai 2011 um 20:46 Uhr

    Wenn es zuvor bereits um Klassismus ging, möchte ich an dieser Stelle daran erinnern, dass der Begriff „Proll“ ein klassistisch diskriminierender ist und hier auch nur als solcher verwandt wird.

    Ich mein, das sagt echt alles über diesen Pomo-Quatsch. Da geht’s nicht etwa darum, dass diese kapitalistische Gesellschaft Leuten systematisch ihre Lebens-Chancen verhagelt. Nein, wo denkste! Es geht darum, für uns Prolls und Asis würdigere und nicht verletzende Begriffe zu kreieren. Sozialismus oder wenigstens 100 Euro mehr in der Tasche wären mir da ehrlich gesagt entschieden lieber!

    Und genauso verhält es sich mit dieser ganzen Phantomdiskussion über Tunten und wie man für das, was sie machen, eine respektvollere Sprache findet. Statt die Gründe für die gesellschaftliche Aussortierung gleichgeschlechtlicher Liebe zu diskutieren – oder auch, aber das ist ein anderes Thema, die sexistische Produktion von Geschlechternormen (ich finde die Vermischung der beiden Sachen ehrlich gesagt nicht so erkenntnisfördernd), soll man lediglich lernen, sich einer weniger abwertenden Sprache zu befleißigen. Ey, glaubst du echt, das macht für mich einen Unterschied, ob du mich als Schwuler oder Schwuchtel, Prolo, Asi oder „Hartz-IV-Empfänger“ titulierst? Kann ich mir von dem Unterschied was kaufen? Nee.

    Und diese ganze Pomo-Sprachpolitik, die sich wohl aus dem „linguistic turn“ der sog. Kulturwissenschaften erklärt, funktioniert ja auch in Wirklichkeit überhaupt nicht. Denn komischerweise verwandeln sich alle Begriffe für abgewertete Gruppen mit der Zeit in Injurien, weil sich das Stigma vom Objekt ganz automatisch auf die Worte überträgt. Und dann ist da auch noch der Widerspruch, dass bestimmte Injurien wie „Schwuler“, „Queer“ oder „Tunte“ plötzlich als nicht mehr herablassend gelten sollen, weil sie ja schließlich irgendwann als Selbstbezeichnungen „reappropriiert“ wurden (was komischerweise ihre Verwendungsmöglichkeit als Beleidigungen nie beeinträchtigt hat).

    Nee, echt, ich will lieber über gesellschaftliche Verhältnisse sprechen als über diesen symbolpolitischen Sprachquatsch.

    Du gehst davon aus, dass es ohne Homosexuelle keine Homophobie gibt, verbindest das aber nicht mit einer Kritik an Homophobie, sondern kritisierst Menschen, die sich gegen diese Homophobie richten. Allerdings hatte ich das bereits mehrmals geschrieben und wiederholte Male in meinem Blogeintrag.

    Sorry, aber ich kann wirklich nichts dafür, wenn du meine Äußerungen systematisch auf den Kopf stellst. Ich hab nie gesagt, dass es ohne Homosexuelle keine Homophobie gibt, sondern dass es ohne Homophobie keine „Homosexuelle“ gibt. Und ich empfinde es eben als Widerspruch, dass man die devianten Identitäten, die eine homophobe Gesellschaft erzeugt, zur unhinterfragten Basis für eine Kritik an dieser Gesellschaft machen will. Das funktioniert nicht, sondern es stiftet eine gelungene Kommunikation zwischen dem Homophoben und der „Tunte“, der den Homophoben in seiner Normalität bestätigt und nicht etwa, wie du glaubst, in Frage stellt. Deswegen der provokative Satz von Foucault, dass vielleicht „das Ziel heute weniger darin besteht zu entdecken, als vielmehr abzuweisen, was wir sind“.

    Jetzt psychologisierst du rum und sagst: das ist ja „internalisierte Homophobie“, wenn jemand nicht dazu steht, „Schwuler“ zu sein. Man könnte aber auch sagen, dass es „internalisierte Homophobie“ ist, sich selbst unter die Identitäten zu subsumieren, die die homophobe Gesellschaft für dich geschaffen hat.

    Mein Ansatz ist weder das eine noch das andere. Ich halte es für sinnlos, Identitäten abzuweisen, die andere auf dich applizieren. Denen entkommt man nicht, weil sie Teil des homophoben Wissens in dieser Gesellschaft sind. Aber für noch dümmer halte ich es, diese Identitäten zu Widerstandspunkten zu erklären statt sich aus einer universalistischen Sprecherposition den Formzusammenhang vorzuknöpfen, der zwischen der heteronormativen Verfasstheit der Mehrheitsgesellschaft und seinen „lesbischen“ und „schwulen“ Anderen besteht.

  52. Gravatar Icon 52 delilah 22. Mai 2011 um 20:56 Uhr

    rhizom, zum video: bitte nicht überinterpretieren. ich weiß, es sieht übertrieben schick und professionell aus, trotzdem stehen da hauptsächlich solidarische menschen hinter und nicht etwa ein dickes budget. das macht die ganzen verrisse übrigens noch ein bisschen schlimmer. falls es dich tröstet: ein junger schwuler, der deinen kriterien definitiv standgehalten hätte, wäre wohl auch dabeigewesen, wenn er nicht hätte arbeiten müssen. hättest du denn jetzt ne mischung gewollt, oder dürften bei dir grundsätzlich nur cis-menschen vorkommen, um ne saubere homophobiekritik rüberzubringen?

    dann hätt ich noch ne ganz unbedarfte frage, also seid bitte nett: wenn da tatsächlich nur cis zu sehen wäre, wie hätte man verhindert, dass leute, die das sehen, die einfach nur für heten gehalten hätten? halt standard background-tänzer_innen? weils halt „pro homo“ ist, und heten eh nich „pro homo“ sind? oder hätte man dann die order erteilen müssen, dass alle permanent miteinander rummachen? erklär doch mal.

    das ding, das du verlinkst, ist ja nett, nur: dass ein social spot klarer und zielgerichteter ist als ein musikvideo, liegt ein bisschen in der natur der sache. zudem ist die zielgruppe offensichtlich eine andere.

    homophobe männer oder jungs im sinne von angst vor dem eigenen begehren sind immer noch selbst dafür zuständig, diese angst zu überwinden. deine heteronormalisierungs-theorie versucht, diese verantwortung auf die schwulenbewegung/queer-szene zu schieben. da hat sie aber nichts verloren. „queer = mehr homophobie“ ist reinster determinismus.

    und noch was zu dieser unsäglichen angeblichen frauenfeindlichkeit von tunten: frauenfeinde erkennt man an ihrem verhalten frauen gegenüber. nicht: an ihren klamotten.

    bigmouth, du hast die entscheidende figur vergessen/weggelassen.

    earendil, sehr enttäuschend @ „schäbig“. schäbig ist die art, wie hier mit minderheiten umgesprungen wird, und das gilt vollkommen unabhängig von der richtigkeit der kritik.

    hijab-tragen gibt es sehr wohl als empowerment-strategie, und zwar von mädchen und frauen, denen du (bzw. rhizom) garantiert keinen „klassismus“ andichten kannst. das richtet sich dann gegen deutsche rassisten oder auch gern mal gegen die eigene familie. deine kritik daran würde ich sehr gerne hören.

    Nicht jede – im hegemonialen Diskurs als ‚annormal‘ lesbare Geschlechterperformanz ist automatisch subversiv oder empowernd (für irgendjem. anderen als vielleicht die performende Person selber…).

    na, das reicht doch allemal? du müsstest schon einen schaden nachweisen. fehlender nutzen allein ist kein grund für kritik.

  53. Gravatar Icon 53 tee 22. Mai 2011 um 21:07 Uhr

    die ganzen verrisse

    ja SORRY! ich hatte nicht vor das video zu zerreißen und fand, daß es beim rest der „community“ doch auch sehr gut ankam. ich bin nur ein kleiner blogger, der gern rumkackt, also mal bitte nicht überbewerten das ganze!

    dann hätt ich noch ne ganz unbedarfte frage, also seid bitte nett: wenn da tatsächlich nur cis zu sehen wäre, wie hätte man verhindert, dass leute, die das sehen, die einfach nur für heten gehalten hätten?

    na wenn die sich küssen oder irgendwie anders zärtlich sind (eben das, was außer dem aussehen noch homophobe ausfälle auf der straße „provoziert“), hätte ich sie nicht für heten gehalten. oder irgendwie kontexte, in denen sonst ein „no homo“ kommt. (ja gut, hab‘ ja auch kein video-konzept am start)
    außerdem gibt es ja noch den text des liedes, den ich nachwievor zum größten teil sehr gut finde.

  54. Gravatar Icon 54 delilah 22. Mai 2011 um 21:12 Uhr

    tee: leute, die sich nicht lieben/anziehend finden aufzufordern, sich zu küssen: DAS wäre in der tat ziemlich unauthentisch. und „kontexte, in denen sonst no homo kommt“, sind meistens sprachliche. das geht bei nem musikvideo nicht.

  55. Gravatar Icon 55 tee 22. Mai 2011 um 21:21 Uhr

    „queer = mehr homophobie“ ist reinster determinismus.

    das sagt doch gar niemand.

    schäbig ist die art, wie hier mit minderheiten umgesprungen wird, und das gilt vollkommen unabhängig von der richtigkeit der kritik.

    also bitte, „mit minderheiten umgesprungen“ wird hier nicht, denke ich. das ist ja wie meine „dominante perspektive“. du fordertest ja auch schon solidarische kritik ein, wo ich mich fragen muss- wie soll die denn aussehen? ich bin gern solidarisch(er) und nehme gern eine weniger dominante perspektive ein, nur weiß ich gar nicht, wie ich das anstellen soll.

  56. Gravatar Icon 56 Michi 22. Mai 2011 um 21:26 Uhr

    @Delilah
    „“Nicht jede – im hegemonialen Diskurs als ‚annormal‘ lesbare Geschlechterperformanz ist automatisch subversiv oder empowernd (für irgendjem. anderen als vielleicht die performende Person selber…).“
    „na, das reicht doch allemal? du müsstest schon einen schaden nachweisen. fehlender nutzen allein ist kein grund für kritik.“"

    Naja, die Sache mit der Angebrachtheit von Kritik nur bei nachweisbarer Schädlichkeit halte ich so ganz grundsätzlich für eine gewagte These… anyway, die potentiellen „Schäden“solcher Repräsentationspolitiken haben ja andere oben schon geschildert.

    Und ansonsten: Ich mag das Video grundsätzlich. Als Feelgood-Movie (das ist nicht abwertend gemeint. Feelgood-Dinge sind wichtig…) für Silverfuture-Gänger_innen und Leute, denen es gut tut, zu hören, dass sich auch andere über den No-Homo-Kack aufregen, funktioniert es ganz wunderbar.
    Nur als Strategie um No-Homo-Sager_innen von ihrer Homophobie abzubringen oder sie zum Nachdenken zu bringen funktioniert es meiner Meinung nach eben nicht so wirklich. – Ob es nun so funktionieren sollte, hat ja auch niemand gesagt, – wobei der Text und teilweise auch die Videohandlung für mich letztere Interpretation nahe legt.

  57. Gravatar Icon 57 tee 22. Mai 2011 um 21:26 Uhr

    tee: leute, die sich nicht lieben/anziehend finden aufzufordern, sich zu küssen: DAS wäre in der tat ziemlich unauthentisch.

    wieso denn jetzt leute auffordern, die sich nicht lieben??? davon war nie die rede.

  58. Gravatar Icon 58 delilah 22. Mai 2011 um 21:27 Uhr

    tee, sag halt, wie dus gemeint hast und nicht, wies nicht gemeint war. das ding mit der heteronormalisierung kam hier zuerst von dir. klar, wenn man jemandem den minderheiten-status einfach abspricht, kann man ihn hinterher auch behandeln, wie man will, easy. du weißt nicht, wie du was anstellen sollst? lies halt nochmal alle deine beiträge und überleg dir, ob da nicht einige unnötigen und wertenden dinge stehen.

    Ey, glaubst du echt, das macht für mich einen Unterschied, ob du mich als Schwuler oder Schwuchtel, Prolo, Asi oder „Hartz-IV-Empfänger“ titulierst? Kann ich mir von dem Unterschied was kaufen? Nee.

    dass dir sowas egal ist, das hatten wir ja schon. da kann man dich auch nur zu beglückwünschen. mir hingegen wäre schon mit einer leichten reduktion der täglichen verbalen gewalt sehr gedient. kaufen kann ich mir davon nichts, aber dass leute einen nicht wie ein stück scheiße behandeln ist nun mal auch ein gebrauchswert.

  59. Gravatar Icon 59 tee 22. Mai 2011 um 21:34 Uhr

    delilah, zeig/zitier doch mal die stelle. ich weiß echt nicht, was du meinst.

    ich „behandel“ hier auch niemanden. ich schreibe über heterosexisten genauso wie über die von ihnen diskriminierten, dabei „werte“ ich doch nicht. wieso sollte da der status eine rolle spielen?

  60. Gravatar Icon 60 delilah 22. Mai 2011 um 21:41 Uhr

    michi: ich habe bereits von verschiedenen (mehr oder auch weniger offen) homophoben menschen gehört, dass sie das video toll finden. ich denke, sowas kann für manche durchaus ein auslöser sein, die ein oder andere meinung zu überdenken. und nein, viel mehr will das video in meinen augen tatsächlich nicht, abgesehen von der funktion, die du bereits genannt hast und die auch völlig in ordnung ist. welche schäden du meinst, weiß ich leider auch nach erneutem lesen deiner beiträge nicht.

    tee: ja, gut, das ist dann halt realitätsfern.

  61. Gravatar Icon 61 rhizom 22. Mai 2011 um 21:48 Uhr

    Es ist in diesem Zusammenhang übrigens interessant, dass Butler in Gender Trouble eine feministische Identitätspolitik, die sich auf die Position „Frau“ stützt, mit dem Argument zurückweist, dass die Position „Frau“ ein Effekt sexistischer Zuschreibungen ist und dass man diese Zuschreibungen nicht kritisch erforschen kann, wenn man ihren ideologischen Effekt – eben die Position „Frau“ – zur unbefragten Grundlage seiner Politik macht. Dieses Argument ist meiner Auffassung nach die Grundlage des gesamten Queer-Feminismus.

    Nun argumentiert Butler in Psyche der Macht aber drolligerweise exakt spiegelverkehrt mit Blick auf lesbisch-schwule Identitätspolitik. Hier auf einmal soll die Tatsache, von homophoben Anrufungen konstituiert zu sein, überhaupt erst so etwas wie dissidente Handlungsfähigkeit ermöglichen, indem sie eine identitäre Sprecherposition schafft, von der aus sich der verletztende Charakter dieser Anrufungen in Frage stellen oder „umkehren“ lässt. Das nun wiederum ist das Argument, das man in der lesbisch-schwulen Szene als Fundament von „Queer“ betrachtet.

    Ich staune immer wieder, dass außer mir noch keinem der Widerspruch zwischen den beiden Argumenten aufgegangen zu sein scheint. Entweder das eine oder das andere. Man muss sich schon mal entscheiden! Aber beides zugleich als „queer“ aufzufassen, einmal eine old-school lesbisch-schwule Identitätspolitik, das andere mal eine flammende Kritik an (feministischer) Identitätspolitik – das ist absolut widersinnig. Und wenn du mich fragst, ich möchte diese Spaltung etwas tiefer vorantreiben.

  62. Gravatar Icon 62 tee 22. Mai 2011 um 21:53 Uhr

    realitätsfern? jetzt komm‘ ich nicht mehr mit.

  63. Gravatar Icon 63 delilah 22. Mai 2011 um 22:02 Uhr

    rhizom, ja, das hatt ich auch schon in dem phase2-artikel gelesen. da fand ich das spannend, aber ich hatte ja keine ahnung, welche harten konsequenzen daraus folgen können.
    tee: die umsetzung des videos unter den von dir gestellten bedingungen wäre realitätsfern gewesen. egal.

  64. Gravatar Icon 64 rhizom 22. Mai 2011 um 22:10 Uhr

    @delilah: Ich will eigentlich gar nicht auf diesem Video herumhacken. Ich finde es super, dass ihr das gemacht habt. Ich bin nicht so ein Arschloch, das die Arbeit anderer madig machen will. Dass sich meine Kritik jetzt ausgerechnet anlässlich eures Videos entlädt (das ich videotechnisch im Übrigen super gemacht finde), tut mir extrem leid. Euer Video ist echt nicht das Problem! Sondern das Problem sind für mich bestimmte Argumente, gegen die ich aufbegehre; eine queerpolitische Orthodoxie, die ich für fundamental fehlerbehaftet halte.

    Und ich möchte mich hier in aller Förmlichkeit entschuldigen, dass es jetzt so aussieht, als wollte ich euch euer Engagement vergällen. Dabei hab ich früher doch überhaupt nichts anderes gemacht! Das sind für mich Elemente einer Selbstkritik. Ich will nicht der Klugscheißer sein, der andere belehrt, sondern ein paar Fermente in den Diskurs schütten, damit er anfängt zu gären und vielleicht am Ende etwas Neues hervorbringt.

    Also: weitermachen! Und sich nicht von Arschlöchern wie mir in die Suppe spucken lassen. :)

  65. Gravatar Icon 65 tee 22. Mai 2011 um 22:22 Uhr

    delilah, ich stelle überhaupt keine bedingungen. du hast gefragt, ich hab‘ geantwortet.

    ansonsten schließe ich mich voll und ganz rhizom an.

    :)>-

  66. Gravatar Icon 66 rhizom 22. Mai 2011 um 22:43 Uhr

    Naja, delilah, ich fühle mich ja durch den Transphobie-Vorwurf jetzt auch etwas in die Ecke gedrängt. Ihr seid also nicht die einzigen, die mit ein paar Kratzern aus dieser Disko hervorgegangen sind! Und so soll’s ja auch sein. ;)

  67. Gravatar Icon 67 rhizom 22. Mai 2011 um 22:54 Uhr

    Ich finde übrigens dieses „ältere“ Ehepaar furchtbar genial. Wie sie vorm Fernseher die Augen verdreht – geil! Und auch, dass der eine Prollo dann wegen der Musik anfängt, beherzt mitzuswingen … ist ’ne knallige Idee. =d>

  68. Gravatar Icon 68 tuckenumberone 22. Mai 2011 um 23:14 Uhr

    Bin ich eigentlich die einzige die es schlimm findet, dass es sich bei dem Text des Liedes um ein Gebettel nach Toleranz handelt? So von wegen: Hey,akzeptiert doch mal die Homos, wenn man sich liebt ist das doch schön.Ich finde das zum Kotzen. Und außerdem, was ist wenn man nur Homo ficken will und nicht lieben möchte? Und zu der Sache mit dem Bashing,Sookee macht Musik und präsentiert diese in der Öffentlichkeit.Da brauch sie sich nicht wundern, wenn Leute ihre Meinung zu dieser Musik äußern. Nur weil sie es gewohnt ist, dass viele sagen: Ohh Sookee, du bist so toll etc. heißt das nicht dass das alle sagen müssen.Und was ist solidarische Kritik? Das ich sage: Ohh du bist so toll aber das und das könnte besser sein? Was ist wenn ich sie nicht toll finde,muß ich dann meine Fresse halten?

  69. Gravatar Icon 69 tee 22. Mai 2011 um 23:22 Uhr

    nun ja, ich finde sie schon toll. jedenfalls so toll, daß ich mir ihre platte kaufen würde. drum würde ich das auch nicht bashing nennen, nur mein ton hier ist halt gewöhnungsbedürftig ;)

  70. Gravatar Icon 70 tuckenumberone 22. Mai 2011 um 23:25 Uhr

    Nachtrag: Das mit dem Kotzen ist auf das Toleranzgebettel bezogen, nicht auf das Lieben:) Und was sollen bitteschön die echten Männer sein die in dem Part erwähnt werden?

  71. Gravatar Icon 71 rhizom 23. Mai 2011 um 1:07 Uhr

    @tuckenumberone: Doch, das ist mir auch aufgefallen. Aber ich wollte mich nicht noch tiefer in die Scheiße reiten. ;)

    Übrigens kritisiere ich auch die Anti-Homophobie-Kampagnen des LSVD heftig, obwohl da nur brave schwiegertochter- bzw. schwiegersohnreife Cissexuelle zu sehen sind. Man kann mir’s also fast gar nicht rechtmachen. Facebook-Eintrag vom 17. Mai:

    Wenn der LSVD solche Videos produzieren würde, hätte ich ja gar nichts gegen ihn. Aber statt mal ’ne Kampagne zu machen: „Hey, Liebe zwischen Jungs (bzw. Mädchen) ist doch was Schönes, probier’s mal aus!“, kommt immer dieser unsägliche homophile 50er-Jahre-Scheiß: „Wir sind homosexuell und verdienen Respekt!“ – Das ist wirklich internalisierte Homophobie…

    Der LSVD weiß halt, dass man „Toleranz“ nur verlangen kann, wenn man die heterosexuelle Definition von „Normalität“ bereits sanktioniert hat und sich affirmativ in seine Rolle als „Anderer“ fügt.

    Es geht nicht um die Frage cissexueller vs. transgeschlechtlicher Repräsentationspolitik („Das Kuckucksei“ ist einer meiner Lieblingsfilme, und ich bin noch nie darauf gekommen, dass man sich ernsthaft daran stören könnte, dass da eine Tunte die Hauptrolle spielt; im Gegenteil, das macht den Film so grandios). Sondern es geht um eine Kritik von Repräsentationspolitik überhaupt, um eine Kritik an dem Satz: „wir Homos“.

    Insofern war das auch der „wrong track“, dass sich das ganze auf diesen Aspekt zugespitzt hat. Was mich nämlich eigentlich stört, ist, dass Geschlechter-Transgression dazu benutzt wird, diesen Satz zu produzieren: „wir Homos“.

    Ich frag mich dabei: wie wird aus gleichgeschlechtlichem Begehren eine Identität, die man als „Wir“ repräsentieren kann? Doch nur, indem man die sexualwissenschaftliche „Einkörperung der Perversionen“ und die damit einhergehende „Spezifizierung der Individuen“ (Foucault) bereits vollständig mit- und nachvollzogen hat.

    Für dieses Missbehagen hab ich Worte gesucht, und mich dann auf das Falsche kapriziert: Glitter, Schminke und Federboa als die Insignien von „Homosexualität“. Aber es hätte auch alles andere sein können…

  72. Gravatar Icon 72 tee 23. Mai 2011 um 1:08 Uhr

    Doch, das ist mir auch aufgefallen. Aber ich wollte mich nicht noch tiefer in die Scheiße reiten.

    :D

    mir auch. aber ich halte sowas bei einem rap-text dann auch für übertrieben, vor allem wenn es in der grundtendenz eben in die richtige richtung geht.

  73. Gravatar Icon 73 earendil 23. Mai 2011 um 1:36 Uhr

    @Delilah:

    sehr enttäuschend @ „schäbig“. schäbig ist die art, wie hier mit minderheiten umgesprungen wird, und das gilt vollkommen unabhängig von der richtigkeit der kritik.

    „Schäbig“ schrieb ich deshalb, weil hier Beiträge von Rhizom und Tee fast schon bösartig als homo- oder transphob gelesen wurden, die sowas nun wirklich nicht hergeben. Und wenn ich bei dir schon wieder lese „wie hier mit Minderheiten umgesprungen wird“… was soll denn das? :-w
    [edit: Ok, vielleicht meintest du mit „hier“ auch „in dieser Gesellschaft“ oder so, nicht „in dieser Diskussion“. Will ja nun wenn möglich nicht selber bösartig missverstehen. ;) ]

    hijab-tragen gibt es sehr wohl als empowerment-strategie, und zwar von mädchen und frauen, denen du (bzw. rhizom) garantiert keinen „klassismus“ andichten kannst. das richtet sich dann gegen deutsche rassisten oder auch gern mal gegen die eigene familie. deine kritik daran würde ich sehr gerne hören.

    Wäre nicht so wesentlich anders als das, was ich hier gegen Tunten-Empowerment vorzubringen habe. Ergänzt um den Aspekt, dass der Hijab letztlich ein sexistisches Symbol ist. (Hoffe, das bringt mir jetzt keine Prügel ein… wär auch OT.)

    Um wiederum nicht missverstanden zu werden: Ich kritisiere weder Tunten allgemein noch den Videoclip im Ganzen (selbstverständlich find ichs gut, wenn Homophobie im HipHop was entgegengesetzt wird), sondern nur, dass a) Tunten als Chiffre für Schwule gebraucht werden und b) tuntige performence als subversives Empowerment gesehen wird.

  74. Gravatar Icon 74 tee 23. Mai 2011 um 1:45 Uhr

    hab‘ das edit-comments-plugin mal de- und wieder aktiviert. das editieren der kommentare müsste jetzt wieder gehen. bei schweren fällen kümmere ich mich aber notfalls auch drum ;)

  75. Gravatar Icon 75 earendil 23. Mai 2011 um 1:52 Uhr

    Ja, editieren funzt. :)

  76. Gravatar Icon 76 tuckenumberone 23. Mai 2011 um 13:36 Uhr

    @tee
    Ich finde, dass es auch bei einem Raptext wichtig ist, wie diejenige Interpretin sich ausdrückt,und welche Message sie rüberbringt.Besonders wenn es ein Raptext ist, der in Anspruch nimmt, mit Homophobie aufzuräumen und Sichtweisen zu verändern. Das mit dem nicht tiefer in die Scheiße reiten wollen, verstehe ich,finde ich aber traurig, da Kritik wichtig ist und ich es als Zensur wahrnehme wenn auf ausgeübte Kritik sofort der Vorwurf des Bashings folgt.

    „und auch vielen dank für solidarishe kritik! fuck off an alle, die nur motzen und meinen, dass ich irgendwie dieses und jenes nicht richtig mache. ihr habt keinen check, was das für kraft kostet, dieser bekackten malestream-szene entgegenzutreten!“

    Dieses Zitat von Sookee zeugt meiner Meinung nach von einem völlig unsouveränen Umgang mit Kritik.
    Ich würde es auch als Kritikerbashing bezeichnen. Es zwingt sie keiner dazu, das zu machen was sie macht und wenn sie mal dieser „malestreamszene“ entgegentritt, zum Beispiel indem sie freiwillig Interviews mit Rap.de führt, ist das ihre eigene Entscheidung. Ansonsten lässt sie sich gemütlich in der Queerszene feiern,wird von Mainstreammedien wie z.B der Berliner Zeitung hochgelobt und lässt sich an jeder Ecke huldigen.No Bashing!Nur meine Meinung!

  77. Gravatar Icon 77 tee 23. Mai 2011 um 17:49 Uhr

    ja… das ist vielleicht deine meinung, mann.

  78. Gravatar Icon 78 Anonymous 23. Mai 2011 um 19:30 Uhr

    Wieso Mann?

    --- sorry, wenn ich mich hier reinhänge. aber ich als komplett unbeteiligter kann hier den letzten kommentar nach belieben editieren. ansonsten beste grüße an tee! ich liebe deinen blog :x
    lb666 ---

    Ich auch….
    und wieso mann?

  79. Gravatar Icon 79 tee 23. Mai 2011 um 20:33 Uhr

    beste grüße auch dir, totgeglaubter! ich liebte dein blog! =((

    bei dem „mann“ hab‘ ich echt überlegt und sogar noch wen um rat gefragt. aber letztlich dann doch so zitiert, wie die meisten es tun.

    dann schalte ich das editier-plugin mal besser aus und übergebe den fall …

  80. Gravatar Icon 80 Anonymous 23. Mai 2011 um 20:38 Uhr

    entschuldige; das habe ich jetzt nicht verstanden.wieso mann?

  81. Gravatar Icon 81 tee 23. Mai 2011 um 20:58 Uhr

    hach, nächstes mal nutze ich gleich den link.

  82. Gravatar Icon 82 tuckenumberone 23. Mai 2011 um 21:12 Uhr

    Aha.Ich bin aber kein Mann.Ist das dann hegemonialer normativer Sprachgebrauch?

  83. Gravatar Icon 83 tee 23. Mai 2011 um 21:28 Uhr

    zitat. 8-|

    sprachgebrauch war auch nicht das thema. also besser back to topic, wenn’s da noch was zu sagen gibt …

  84. Gravatar Icon 84 tee 24. Mai 2011 um 1:15 Uhr

    der vollständigkeit halber: http://www.sookee.de/2011/05/das-video-zu-pro-homo-ist-da/

    ich hoffe sookee liest das statement von patsy und die kommentare, auf die sich dort bezogen wird, auch noch.

  85. Gravatar Icon 85 rhizom 24. Mai 2011 um 1:33 Uhr

    Ergänzt um den Aspekt, dass der Hijab letztlich ein sexistisches Symbol ist. (Hoffe, das bringt mir jetzt keine Prügel ein… wär auch OT.)

    Was ist kein sexistisches Symbol? Korsett? Bikini? Büstenhalter? Lippenstift? Rock? Federboa?

  86. Gravatar Icon 86 tee 24. Mai 2011 um 2:22 Uhr

    durch eine verlinkung wurde ich auf „Ein Streitgespräch oder Warum ich Schwule hasse“ aufmerksam.
    nicht, daß ich das voll so mitgehen würde, aber es finden sich bemerkenswerte gedanken darin.

    [pupspuppe: nicht hier und jetzt. also verwirk meine liebe nicht!]

  87. Gravatar Icon 87 rhizom 24. Mai 2011 um 10:50 Uhr

    Das habe ich gerade einer Freundin auf Facebook geschickt. Ich denke aber, es könnte auch ein würdiger Abschluss für diese Diskussion sein:

    Was mich ein bisschen ärgert, ist, dass da verletzende Reden unterstellt werden, um die Artikulation von Kritik zu verhindern. Patsy gibt ja auch gar nicht mehr meine Kommentare frei, weil ich mich, und jetzt kommt’s: durch den Gebrauch von Begriffen wie „Proll“ oder „Geschlechtsumwandlung“ für eine Diskussion disqualifiziert hätte.

    Ich finde, dass da der Diskriminierungsdiskurs sehr strategisch angewendet wird, um eine Debatte zu unterbinden. Und ich bin auch nicht der Meinung, mich an irgendeiner Stelle herabwürdigend über transgender Praktiken geäußert zu haben. Was ich kritisiert habe, ist, dass die Übertretung von Geschlechternormen zur Darstellung homosexueller Identitäten verwendet wird.

    Für mich ist das eine Einhegung (oder „Territorialisierung“) des subversiven Potentials von Transgender, weil es nur noch eine Darstellung lesbisch-schwuler Identitäten ist und sonst nichts. Und es ist eine Einhegung gleichgeschlechtlichen Begehrens, indem es auf eine – mit den Mitteln von Transgender – als „deviant“ inszenierte Identität verpflichtet wird.

    Ich habe dabei auch versucht klarzumachen, dass sich das überhaupt nicht gegen Tunten oder Dykes richtet, welche ich mehr schätze als Leute, die einer Normalität nacheifern, deren ebenfalls konstruierten Charakter sie an keiner Stelle in Frage stellen.

    Klar, das ist sehr theoretisch formuliert, weil man ohne Metasprache nur sehr schwer über Identitäten und Geschlechternormen sprechen kann. Ich suche in längeren Texten deshalb oft nach Beispielen, um das etwas anschaulicher und für alle nachvollziehbarer zu machen.

    Aber der Punkt ist, dass ich nicht denke, jemanden damit verletzt zu haben. Ich glaube vielmehr, dass Verletzungen vorgeschoben werden, um eine kritische Auseinandersetzung mit Identitätspolitiken zu verhindern. Verletzt können sich höchstens die Macher_innen des Videos fühlen, weil sie kritisiert wurden. Und das tut mir auch sehr leid, und ich habe mich dafür entschuldigt, weil ihre Intention sicher nicht die schlechteste war.

    Aber Verletzungen, wie Patsy, an Begriffen wie „nicht authentisch“ festzumachen – das halte ich dann doch für sehr an den Haaren herbeigezogen. Dabei hab ich nur gesagt, dass ich Leute, die Geschlechtersubversion nicht als Klamauk betreiben, sondern authentisch in ihrer Person verkörpern, extrem cool finde, während ich Geschlechterübertretung auf ’nem Fasching als überhaupt nicht subversiv empfinde. Und daran erinnert mich sowas wie Federboa mit dicker Schminke und Bart.

    Mag ja sein, dass ich da Fehler mache. Aber so zu tun, als könnte man darüber nicht diskutieren, weil das angeblich Leute verletzt, finde ich nur vorgeschoben. Und Patsy eignet sich da einfach die Definitionsmacht darüber an, was sie als homo- oder transphob empfindet. Es ist ja nicht so, dass ich keine Diskriminierungserfahrungen als Schwuler oder Tunte gemacht hätte.

    Ich bin auch schon in Kleidergeschäften gewesen, um Stöckelschuhe anzuprobieren und mir einen Fummel zu kaufen. Ich bin als Transe in Cafés und zu Studi-Demos gegangen. Aber ich hatte irgendwann das Gefühl, dass das – anders als ich bin dahin glaubte – überhaupt nicht subversiv ist, sondern dass ich Transgender nur dazu benutze, eine schwule Identität zu performen, und kam mir irgendwann lächerlich damit vor – wie jemand, der einfach nur die Erwartungen erfüllt, die man an Schwule hat: sich aufgrund seiner Homosexualität „geschlechterdeviant“ zu verhalten.

    Und dann dachte ich: sollen sich doch Heteros auffummeln, aber wenn man von jemanden Geschlechtersubversion im Grunde schon erwartet, weil man das als Ausweis seiner Homosexualität nimmt, dann ist diese Verbindung aus schwuler Identität und Geschlechtersubversion nicht subversiv, sondern affirmativ, keine Bedrohung für Geschlechterrollen, sondern deren Bestätigung.

    Naja, wie auch immer… Wir sehen uns!

  88. Gravatar Icon 88 Anonymous 24. Mai 2011 um 13:31 Uhr

    @rhizom
    dass und wie patsy zensiert, finde ich auch kacke.das geht gar nicht! wörter wie beschränkt sind dann der grund, dass ein ganzer beitrag nicht veröffentlicht wird, so wie ich das verstanden habe. und dann zitiert sie ganz eingebildet ein youtubekommentar, indem sie als schön befunden wird.aber klar, is alles nur spaß.sie wirkt außerdem auf mich wie die rechtsanwältin des pro homo clips und würgt durch das nicht-veröffentlichen von kommentaren diskussionen ab.das nervt.die diskussion in diesem blog ist um einiges vielfältiger und dadurch auch interessanter.

  89. Gravatar Icon 89 tee 24. Mai 2011 um 17:18 Uhr

    Verletzt können sich höchstens die Macher_innen des Videos fühlen, weil sie kritisiert wurden.

    das ist der einzige punkt, in dem ich dir nicht zustimme. es tut mir auch sehr leid, wenn ich jemanden verletzt habe. aber nur, wenn dies aufgrund meiner wortwahl geschah. für die inhaltliche kritik und wenn sich durch solche jemand verletzt fühlt, entschuldige ich mich nicht. in der konsequenz würde es bedeuten, kritik von vorherein zu unterlassen, um zu verhindern, daß sich jemand evtl. „abgewertet“ fühlt. es gab – auch durchaus zurecht – soviel positives feedback zum video, daß ich die relation abgefeiere-kritik voll im grünen bereich finde. außerdem sollte sowas kein indikator sein. fragt mal madonna! ;)

    außerdem ist „schlechte“ publicity doch auch publicity (für ein wichtiges thema), so seh ich das …

  90. Gravatar Icon 90 frau 24. Mai 2011 um 17:48 Uhr

    @tee
    dann ist das wohl deine meinung,mann!

  91. Gravatar Icon 91 hhh 24. Mai 2011 um 18:09 Uhr

    „hach, nächstes mal nutze ich gleich den link. “

    us-amerikanisch umgangsprachlich „man“ mit deutsch „man“ oder „mann“ zu übersetzen ist vermutlich eh fragwürdig. „junge“ oder ost-deutsch „meiner“ fänd ich z.b. passender.

  92. Gravatar Icon 92 rhizom 24. Mai 2011 um 19:10 Uhr

    Ich will aber auch ein bisschen Selbstkritik üben. Was mich seit Beginn der Diskussion an mir selber ärgert, ist die latent aggressive Note, mit der ich meine Kritik angebracht habe. Wenn man einen Blog betreibt und sich in anonymen Auseinandersetzungen mit politischen Gegner_innen stählt, schleift sich dieser Umgangston schneller ein, als einem lieb ist. Aber es ist nicht immer hilfreich, Leute frontal anzugreifen statt sie konstruktiv auf Sachen aufmerksam zu machen, die man nicht genügend bedacht und reflektiert findet. Und das heißt auch offen zu sein für Kritik von der anderen Seite. Was ich z.B. recht gut fand, ist der folgende Satz von Patsy:

    Bereits in den 70er Jahren war es eine bedeutende Auseinandersetzung und Faktor für die Politisierung emanzipatorischer Schwulengruppen, sich mit schwulem Selbsthass und der damit einhergehenden Ausgrenzung und Abwertung anderer Schwuler auseinanderzusetzen und sich gegen diese Dynamik zu wenden.

    Ich denke, das muss man wirklich sehen, dass das Erproben von Transgender-Praktiken in der historischen Schwulenbewegung eine wichtige Funktion hatte: mit verletzenden Klischees umgehen zu lernen, damit man die Angst davor nicht in Form von Herabsetzung an diejenigen weitergibt, von denen man glaubt, dass sie diese Klischees durch ihr „effeminiertes“ Auftreten erfüllen. Man lernt etwas über internalisierte Homophobie und über die Künstlichkeit von Geschlechternormen.

    Eine andere Frage ist es allerdings, ob ich diese Praktiken, politisch gewendet, für eine sinnvolle Intervention gegen Homophobie halte. Und ich denke, das ist es schon deshalb nicht, weil man nicht für die Anerkennung von Identitäten streiten sollte, sondern für die Entgrenzung gleichgeschlechtlichen Begehrens aus seinem identitären Korsett. Es sollte bei einer Kampagne gegen Homophobie nicht um die Forderung nach „Aushalten“ des Anderen, sondern um eine Infragestellung der Normen gehen, die sich des „Anderen“ bedient, um sich selbst zu festigen.

    Ein anderer Punkt, den ich bei Patsy hervorhebenswert finde, ist dieser hier:

    Entsprechend auch die Kritik aus Trans*-Kontexten, die wie etwa durch Leslie Feinberg davon ausgeht, dass die Abwertung eines Geschlechtsausdrucks als „übertrieben“ oder „nicht richtig“ heteronormative Gewaltverhältnisse bestätigt und auf transphobe Weise die geschlechtliche Selbstbestimmung von Menschen gewaltsam einzuschränken sucht.

    Es sollte natürlich niemals darum gehen, die Selbstbestimmung von Menschen einzuschränken. Allerdings kann man sich schon fragen, ob so etwas wie eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität überhaupt möglich ist. Das, was uns als das Ureigenste erscheint, „unsere“ Identität, ist ja in Wirklichkeit nur der ideologische Effekt permanenter Zuschreibungen und Anrufungen durch die Agenten gesellschaftlicher Macht. Um Kate Bornstein zu zitieren:

    We’re born: a doctor assigns us a gender. It’s documented by the state, enforced by the legal profession, sanctified by the church, and it’s bought and sold in the media. We have no say in our gender – we’re not allowed to question it, play with it, work it out with our friends, lovers, or family. Gender is not consensual.

    Fallen „Gender Outlaws“ (Bornstein) wirklich aus dieser Machtstruktur heraus? Ich glaube nicht. Trotzdem muss es, denke ich, darum gehen, Gender zumindest sicherer zu machen:

    Safe gender is being who and what we want to be when we want to be that, with no threat of censure or violence. Safe gender is going as far in any direction as we wish, with no threat to our health, or to anyone else’s. Safe gender is not being pressured into passing, not having to lie, not having to hide. Sane gender is asking questions about gender – talking to people who do gender, and opening up about our gender histories and our gender desires.

    Sane gender is probably very, very funny.

    Zu einem sichereren Geschlecht gehört allerdings auch, dass man andere nicht durch ein Gender zu repräsentieren versucht, das nicht das ihre ist. Und hier sind wir wieder bei der Frage der Repräsentationspolitik: Man muss, wenn man für „safe gender“ eintritt, auch respektieren, wenn sich „Homos“, die Patsy als anpassungswillig und selbsthassend denunziert, nicht durch ihren angeblich so progressiven Gender-Entwurf repräsentieren lassen wollen (wobei man sich mal fragen kann, was an einem sexistischen Folterwerkzeug wie Stöckelschuhen denn überhaupt so fortschrittlich sein soll).

    Die Antwort kann natürlich nicht sein, eine cissexuelle Repräsentationspolitik dagegenzuhalten, sondern auf Identitätspolitik à la „wir als Trans*Personen, Schwule und Lesben“ (Patsy) gänzlich zu verzichten. Diese endlosen Kämpfe um Repräsentation sind wahrlich die Pest, und ich möchte mit bürgerlichen Schwulen ebensowenig ein „Wir“ bilden, wie ich sie durch eine „linke LGBT-Politik“ zu vertreten vorgebe.

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