...verses

„Freiheit“

Nicht nur das geringere Übel („Leb‘ lieber als Kommunist im Kapital als unter der Fuchtel von Hamas, Hisbollah, das ist klar“) muss als Staatslegitimation herhalten, auch kognitive Dissonanz à la: „Du sollst Freiheit den Staaten geben, die noch nicht laufen könn‘.“ Wenn Postantideutsche fleißig Godwin-Punkte sammeln, Pappkameraden basteln und ihren Staatsglauben und Prokapitalismus rechtfertigen. Naja, Schnee von gestern. (wie Phex‘ Linkliste unter „9_ R.I.P./“ eindrucksvoll und dankenswerterweise bestätigt :D;)

Besser als das Gott

Zur Mär vom generischen Maskulinum hatte ich ja schon etwas, nun wird es wohl bald was zur Mär vom generischen Femininum geben müssen:

Rektorin, Dozentinnen, Wissenschaftlerinnen – da, wo früher in der Grundordnung der Universität Leipzig die sogenannte Schrägstrich-Variante genutzt wurde, also etwa Professor/Professorin, steht künftig ausschließlich die weibliche Personenbezeichnung. Eine Fußnote ergänzt, dass diese feminine Bezeichnung sowohl für Personen männlichen als auch weiblichen Geschlechts gilt.

Tja, why not.

Scheinbar & Anscheinend

Vor einiger Zeit wies mich ein überaus freundlicher Konrinthenkacker dankenswerterweise in einer Kommentarspalte dieses damals noch gut besuchten Blogs auf einen Fehler hin, den ich an dieser Stelle noch einmal ganz grundsätzlich aufzeigen möchte:

Umgangssprachlich wird häufig nicht zwischen scheinbar und anscheinend unterschieden (siehe [2]). In der Standardsprache jedoch drückt anscheinend die Vermutung aus, dass etwas ist, wie es erscheint (Du bist anscheinend krank.), während scheinbar bedeutet, dass etwas nur den Eindruck macht, aber tatsächlich nicht so ist, wie es scheint (Das scheinbar günstige Angebot stellte sich als Kostenfalle heraus.). (wiktionary)

Kotzkübel des Tages

Johannes Lichdi von den Grünen, für den Diskriminierung schlimm, weil standortgefährdend ist:

Diskriminierung ist nicht nur undemokratisch, sondern macht den Freistaat Sachsen auch unattraktiv für Zuziehende aus dem In- und Ausland.

Denn das kostet die Volkswirtschaft ja, wenn billige Arbeitskräfte aus dem Ausland oder den hiesigen Behindertenheimen nicht auch so ausgebeutet werden können wie jede_r andere:

Diskriminierung ist kein Kavaliersdelikt. Sie hat einschneidende Folgen für die Betroffenen und verursacht gesamtgesellschaftlich enorme Kosten, weil etwa Menschen mit Behinderung oder Menschen mit Migrationshintergrund nur schwer Zugang zum Arbeitsmarkt finden“, so der Sachverständige Herr Bernhard Franke, stellvertretender Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS)

Diskriminierung ist eben wirtschaftsschädigend und deswegen schlecht. Findet ja auch Innenminister Friedrich:

Neonazis, die Ausländer bedrohten, seien eine große Gefahr für die deutsche Wirtschaft. „Allen muss klar sein, dass wir uns als exportorientiertes Land Ausländerfeindlichkeit überhaupt nicht leisten können“, sagte der Minister. „Wenn wir unsere Waren überall in der Welt verkaufen wollen, müssen wir uns auch gegenüber an unserem Land interessierten Menschen offen zeigen.“

Und undemokratisch natürlich. Na da.

Gomblexgondrolln

Leipzig, Alte Straße, 1. April 2012

Wer sich fragt, wo ich die ganze Zeit bin …

Defamation – Spurensuche einer Verleumdung

„Was bedeutet Antisemitismus heute, zwei Generationen nach dem Holocaust? Bei seiner kontinuierlichen Erforschung des modernen Lebens der Israeli bereist Regisseur Yoav Shamir (‚Checkpoint‘, ‚5 Days‘, ‚Flipping Out‘) die Welt, sucht nach den modernsten Erscheinungsformen des „ältesten Hasses“ und findet einige alarmierende Antworten auf diese Frage.“


(Quelle inkl. Statement des Regisseurs)

„Früher hieß der Befehl Juden Vernichten Heut versucht es der Grass mit Gedichten“

Torsun macht sich mal wieder lächerlich, wie schon seit langem nicht mehr.

Crack In The Days …

Planet Rock – The Story Of Hip Hop And The Crack Generation:

(via)

Bonjour Tristesse vs. Phase 2

Die Phase 2 hat’s erwischt (Vorsicht, Facebook!):

Zu unserem Bedauern haben wir erst nach Druck der Ausgabe bemerkt, dass sich in dem Artikel »Suburban Alien«, den uns eine Julia Reiter angeboten hatte, nicht nur Fehler befinden, sondern im Artikel anscheinend zitierte Texte frei erfunden wurden. Wir müssen annehmen, dass es sich bei dem Artikel um einen Fake handelt. Warum sich jemand die Mühe macht, einen Artikel zum Geschlechterverhältnis in der Fernsehserie Alf zu schreiben und sich hierfür Literatur ausdenkt, erschließt sich uns nicht.

… und die Bonjour Tristesse bekennt sich:

Anhand des Leipziger Antifa- und Jungakademiker-Blattes »Phase 2« soll deshalb ausgeführt werden, wie es um linke Medien in Deutschland bestellt ist und wie ausgerechnet ein schrulliger Außerirdischer es schaffen konnte, zum inoffiziellen Ehrenbürger der Heldenstadt zu werden.

Zum (höchst feierlichen) Abschied ein PR-Trick, der noch einmal symbolisiert, was die Tristesse war. Vor allem verzichtbar.

Wartezeitenblogging? Catcontent!

VIA SCHNECK:

Feindbildpflege 2011

Das Conne Island zementiert so nur sein hart erarbeitetes Image, kein politischer Freiraum, sondern eine Sekte von BesserwisserInnen zu sein und macht es damit Außenstehenden leicht, ihr Feindbild zu bestätigen. (Freundeskreis Dr. Georg Sacke)

(Hintergrund)

Oh, diese Loitzscher …

Für gewisse Fans der gastgebenden Gäste bedeutet das eine Neuauflage des Kalten Kriegs. Am Sonntag werden wilde Horden im Leutzscher Holz Einzug erhalten: Chaoten, linke Gewalttäter, Kommunisten, Menschenfresser. Sie nehmen eure Frauen und Kinder. Mindestens jedoch das Tafelsilber.

Der Chemieblogger findet ja, man sollte die Politik tatsächlich aus den Stadien raushalten. Dem kann ich nur voll zustimmen, solange an den ganzen (Proto)Nationalisten da nicht erstmal ordentlich Identitätskritik geübt wurde.

Aufgepasst, liebe Leipziger_innen!

… nächste Woche im Süd(ost)en. Da kommt’s nämlich ganz dicke:

Am Freitag hat die Stadt Leipzig zudem für den 20.8. von 6 bis 20 Uhr eine Allgemeinverfügung erlassen. Danach sind unter anderem der Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit sowie das Mitführen von Alkohol, Glasflaschen und Getränkedosen untersagt. Der räumliche Geltungsbereich der Allgemeinverfügung umfasst abschnittsweise die Zwickauer Straße, die Semmelweisstraße, die Philipp-Rosenthal-Straße, die Prager Straße und den Weg um das Völkerschlachtdenkmal einschließlich Wall.

(Grund für diese Zumutungen)

Sonntagsdisku

Es geht mal wieder um homosexuelle/queere Identitätskonstrukte und die richtigen Fragen werden gestellt:

Oder ist es etwa keine Internalisierung, genau die Rolle zu spielen, die andere für dich vorgedacht haben? Kann schwule Identität überhaupt etwas anderes sein als eine ständige Aneignung und Zitation homophober Klischees?

Aber keine Angst, bei Rhizom gibt’s auch Antworten. Und diese Perle noch:

Na das geht ja gut los …

Nach der historischen Wiederauferstehung der BSG Chemie Leipzig beginnt kurz vor dem ersten Spiel prompt der Ärger:

Durch unbekannte Täter wurde in der Nacht zu gestern der Rasen des „Fußballspielfeldes 1“ im Alfred-Kunze-Sportpark großflächig beschädigt. Die Täter nutzten eine derzeit noch unbekannte chemische Substanz und brachten damit große Abschnitte des Rasens zum Absterben.

(Quelle – LEPD)

ps: Wem die Ironie entgangen sein sollte: „chemische Substanz“ ;)

9/11

Zum zehnten Jahrestag der Anschläge des 11. September findet nicht nur in Karlsruhe ein bemerkenswerter Aufmarsch von Verschwörungstheoretiker_innen statt, auch in Leipzig trifft sich die Szene. Bei der „Inside 911 – Konferenz zum 10. Jahrestag“ werden im Globana Trade Center in Leipzig-Schkeuditz u.a. Querfrontler Jürgen Elsässer und Infokrieger Alexander Benesch referieren. (via Justus)

Die Zollhäuser

Aus den restlichen schönen Zollschuppen in Plagwitz werden übrigens auch tolle „Zollhäuser“:

„Mitten im Park“, mit „Wohnstraße“ und Fußbodenheizung für z.B. 232.000,00 €. Ich überleg’s mir mal …

Bild mal wieder

Die Bild schrieb vor einer Weile diesen Kracher:

Eine politisch neutrale Leipziger Fan-Gruppe, Blue Side Lok, wurde vor kurzem aufgelöst. Angeblich wurden die Fans gewaltsam gezwungen, aufzugeben.

Blue Side Lok politisch neutral und Gewaltopfer, na alles klar.

Frauen vs. Fußball

FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™

    vs.

FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™

Windrad der Freiheit

Was tut man, wenn man wieder mal das Gefühl haben will, die Welt zum Besseren zu wenden oder gewendet zu haben? Richtig, man sucht sich einen richtigen Tiefpunkt der Geschichte als Relation und schon scheint alles paletti. Für Stéphane Hessel ist diese Art Fortschrittsdenken auch Programm:

Wenn man 1942 im Widerstand war und sich jetzt 70 Jahre später fragt: Was nun? Na ja, dann spürt man ein Glücksgefühl, dass die Welt vorwärts geht.

Nur was tut man, wenn man 2011 im Widerstand ist???

„Faschismus in seiner subtilsten und alltäglichsten Form“

… scheint antifaschistische Besorgnis in Briefform jetzt schon für den angeblichen Schwarze-Szene-Experten Alexander Nym zu sein, den die L-IZ zur Verteidigung von Blood Axis auffuhr:

Das Publikum ist nicht so doof, wie da geglaubt wird. Bekämpft den Faschismus, wo ihr ihn trefft. Ich als ‚altlinke Zecke‘ möchte mir das Konzert jedenfalls ansehen und Michael Moynihan mal persönlich kennenlernen und auf den Zahn fühlen. Wenn mir durch Panik-Aktivismus die Möglichkeit vorenthalten wird, mich mit kontroverser Kunst auszusetzen und mit ihr in Diskurs zu treten, dann weiß ich jedenfalls, auf wen ich sauer sein werde – auf jene, die glauben, dass ihre Medizin die Beste für alle anderen sei, denn das ist in letzter Konsequenz nichts anderes als Faschismus in seiner subtilsten und alltäglichsten Form, und damit für mich völlig untolerierbar.

Altlinke Zecke, ja klar. Da hilft wirklich keine Medizin mehr. Vor allem bei dieser Definition:

nichts anderes ist Faschismus letztlich: eine Religion der Selbstanbetung

Auch nicht im folgenden Artikel der L-IZ, bei dem Theaterfabrik-Geschäftsführer Roy Meißner zu Wort kommt, der zwar nichts von Jule Nagels „E-Mailbrief“, wohl aber sich zu positionieren weiß:

Wir als Haus und auch ich privat distanzieren uns vehement davon, irgendwelche rechts- wie auch linksradikale Vermächtnisse oder Erscheinungsformen in unserem Haus zu dulden oder zuzulassen.

Womit die Theaterfabrik sicher nicht in einer Reihe mit den Vereinen zu zählen ist, die die Extremismusklausel nicht unterschreiben. Ja, richtig gelesen. Hatte sich der L-IZ-Schreiberling Daniel Thalheim da noch recht kritisch mit der Extremismustheorie auseinandergesetzt, bietet er sie nun wieder fröhlich feil. So wird Eiko Kühnert „von der Fachstelle für Extremismus der Stadt Leipzig“ befragt, die ihrerseits wieder den Verfassungsschutzbericht zu Rate zieht. Doch zurück zur Theaterfabrik, da nämlich ist man stramm demokratisch-mittig und setzt dieses auch durch:

Wir werden uns auch bei diesem, wie bei allen anderen Veranstaltungen, ganz klar positionieren, indem wir schon im Eingansbereich ggf. sämtliche Zeichen rechts- sowie linkradikaler Vereinigungen wie T- Shirts, Button etc. nicht erlauben werden und durch unsere Security dafür Sorge tragen, dass dieses Konzert nicht zu einem „Tummelplatz“ von radikalpolitischen Gruppierungen wird.

Sich mit den Inhalten der jeweiligen „Ideologien“ einmal auseinanderzusetzen, das hat der Herr Meißner sicher nicht mehr nötig. Es reicht eben das unendliche Vertrauen in den demokratischen Staat und seinen unfehlbaren Verfassungsschutz. Welchen Weg diese Institutionen auch gehen werden, unkritische Leute wie Roy Meißner gehen mit.

Zu guter Letzt läßt Thalheim den Experten Nym noch die Theorie verbreiten, daß die gespenstersehende Antifa die rechten Ideologien selbst in die schwarze Szene gebracht hat:

In den Neunzigern sind wegen genau sowas (gemeint sind offenbar Kampagnen gegen als rechts eingestufte Bands, Anm. d. Red.) echte Rechte in die Post-Industrial-Szene reingekommen [….] Die Kritiker haben nichts begriffen, aber die Szene unangenehmer gemacht, die Anfang der Neunziger dezidiert anti-faschistisch eingestellt war, aber ihre Faszination und das historische wie ästhetische Interesse am Dritten Reich nicht verleugnet haben.

Denn hey – wenn sich schon nicht mehr abstreiten lässt, daß die Szene teils neofaschistisch ist, so kann man doch wenigstens den Antifas die Schuld dafür in die Schuhe schieben und schon ist die heile Neo-Folk-Welt gerettet.

NACHTRAG: Juliane Nagels LeserInnenbrief an die L-IZ

    mehr zum Extremismusklauselstreit: http://extremismusstreik.blogsport.de/
    und zur Extremismustheorie: http://inex.blogsport.de/

Zwischen Hilfe und Repression — Drogenpolitik in Leipzig

Podiumsdiskussion vom 11. Mai zum Thema Sucht- und Drogenpolitik in Leipzig:

(via grex)

… und passend dazu die PM der Stadträt_innen Katharina Krefft, Juliane Nagel und Mathias Weber zur Kritik an den Drug Scouts.